Gallimarkt in Leer – eine jahrhundertealte Tradition

Wenn am 2. Mittwoch im Oktober die Rufe der Herolde durch die Straßen Leers hallen, ist es wieder soweit: Die „5. Jahreszeit“ in Ostfriesland beginnt. Der Gallimarkt ist aber noch viel mehr als das größte Volksfest Ostfrieslands. Vielmehr handelt es sich um eine jahrhundertealte Tradition, die auch heute noch von den Ostfriesen gelebt wird.

Im Jahre 1508 verlieh Graf Edzard der Große dem Flecken Leer das Marktrecht – der Gallimarkt war geboren. Gelegt wurde der Markttag auf den 16. Oktober, welcher dem Todestag des heiligen St. Gallus entspricht. Dass dieser „Tag Galli“ ausgewählt wurde, hatte einen bestimmten Grund: Eine alte ostfriesische Bauernregel besagt, dass ab diesem Tag Schnee und Frost über das Land ziehen könnten. Folglich war es den Bauern ein Anliegen, ihre Ernte vor diesem Tag einzuholen und ihr Vieh zu verkaufen. Die Mägde, Knechte, Händler und Bauern trafen sich so am St. Gallus-Tag an der Kaaksputte, dem historischen Stadtzentrum Leers, um sich mit ihren Einkäufen auf den langen und kalten Winter vorzubereiten.

Der Museumshafen mit der Waage – Hier wurden die auf dem Gallimarkt zu verkaufenden Güter verzollt.

Auch heute, mehr als 500 Jahre später, ist der Ver- und Ankauf von Vieh ein fester Bestandteil des Gallimarktes: Auf dem Galliviehmarkt handeln die ostfriesische Landwirte um Rind, Esel, Schaf und co. Besiegelt wird der Kauf traditionell mit einem einfachen Handschlag.
Wer Zeuge des Spektakels werden möchte, darf allerdings kein Morgenmuffel sein: Traditionell beginnt der Galliviehmarkt früh am Morgen des ersten Markttages bereits um 6 Uhr.

Kühe und Esel auf dem Viehmarkt

Während zu dieser Zeit schon mit Vieh gehandelt wird, machen sich die Gallimarkt-Herolde bereit, die Eröffnung des Marktes bekannt zu geben. In historischen Kostümen gekleidet ziehen die 3 Herolde durch de Stadt, um den Markt schließlich um 11 Uhr am Leeraner Rathaus gemeinsam mit der Bürgermeisterin und dem „Town Crier“ der englischen Stadt Trowbridge, Partnerstadt Leers, feierlich zu eröffnen.

Die 3 Herolde und der Town Crier Trevor Heeks auf dem Weg zum Leeraner Rathaus

Kult ist dabei der mehr als 100 Jahre alter Eröffnungsspruch, der traditionsgemäß auf Plattdeutsch verkündet wird und an die Ursprünge des Marktes erinnert:

Radeau, Radeau, raditjes doe, – Radeau, Radeau, raditjes doe,
de Stadt, de hört de König toe, – Die Stadt hört dem König zu,
radeau, radeau raditjes dum! – radeau, radeau raditjes dum!
De Börgmester led vebeden, – Der Bürgermeister lässt verkünden
dat nüms mag kopen of verkopen – Niemand darf kaufen oder verkaufen
bevör de Klocke negen sleit, – bevor die Glocke neun schlägt,
bi Verlüß van Goderen – unter der Androhung des Verlustes aller Güter
un all wat over tein Pund weggt, – und alles was über 10 Pfund wiegt,
is na de Waage to brengen, – ist zur Waage zu bringen,
un darnaa dree Daag free Markt! – und danach drei Tage freier Markt

Seit 1952 findet der Gallimarkt nun an insgesamt 5 Tagen statt. Während sich die Leeraner in den ersten Jahren zum Kauf von Gemüse, Getreide, Leinen und co. trafen, so zieht es die Ostfriesen heute auf den Markt, um bei mehr als 250 Fahrgeschäften und Buden gesellige Stunden zu verbringen.

Der Gallimarkt wie wir ihn heute kennen

Ein Highlight ist so neben dem großen Feuerwerk am Gallimarkt Freitag die Lampionfahrt über den Leerander Hafen, welche traditionell am Samstagabend stattfindet.

Die Lampionfahrt auf dem Leeraner Hafen gilt als Highlight der Markttage.

Ein Tipp von Teetied: Wer sich den Gallimarkt im Miniaturformat anschauen möchte, der findet im Leerander Miniaturland einen Nachbau des Kultmarktes, der das ganze Jahr über ausgestellt wird.

Das ganze Jahr über in Betrieb: Der Gallimarkt im Leeraner Miniaturland

 

 

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