Spijöök – der Name ist Programm

Teetied ist zu Besuch im "Spijöök", dem ersten Museum für Kuriositäten und Seemannslegenden direkt am Vareler Hafen. Hier haben wir uns die Mythen und Legenden der ostfriesischen Seefahrt mal genauer angeschaut.

Auf dem Weg nach Varel-Dangast am Jadebusen fallen die herrlichen alten Villen am Straßenrand  mit dem Stadtwald im Hintergrund auf. Das schauen wir uns aber ein anderes Mal an, denn unser Ziel ist der Vareler Hafen. Wir haben von dem verrückten Museum dort gehört und sind total gespannt. Schon Ende der 90er wurde das Museum Spijöök von einigen Varelern gegründet und wir wollen uns das Ganze mal anschauen. Dort soll es Exponate aus der ganzen Welt zu sehen geben. Wir haben von einem russischen Atom-U-Boot und einem Einweg-U-Boot gehört  – aber im Wesentlichen geht es dort wohl um die ostfriesische Küste und die Christliche Seefahrt.

Der Vareler Hafen
© Martin Stoever

Das Museum ist von Mitte Mai bis Mitte September geöffnet.
Ah – da liegt er vor uns, der Vareler Hafen. Rechts und links haben kleine und große Motorboote und Segelschiffe festgemacht. Das ist natürlich genau die richtig Umgebung für dieses Museum, ist der erste Gedanke, und schon sehen wir es auch vor uns, direkt auf der anderen Seite des Hafenbeckens.
Wir haben uns schon vor einigen Wochen zu einer Führung angemeldet und Gerald Chmielewski erwartet uns ganz offensichtlich schon. Er sitzt im schnieken weißen Hemd auf der Bank vor dem Spijöök und hat auf jeden Fall etwas Seemännisches an sich.

Gerald Chmielewski vor dem Spijöök

Nach einem kurzen Klönschnack gehen wir in das Museum. Erst müssen sich unsere Augen an die etwas düstere Beleuchtung gewöhnen. Merkwürdige Dinge sind es, die wir mit unseren Augen streifen bevor Gerald Chmielewski mit der Führung beginnt. Zu fast jedem Exponat kann er etwas erzählen und wir hängen gebannt an seinen Lippen – schön schaurig war sie – die Seefahrt vor der ostfriesischen Küste. Hier wird jetzt nicht mehr verraten, denn das muss man einfach selbst gesehen und miterlebt haben.

Als wir mit der Führung durch sind, haben wir noch gar keine Lust, zu gehen. Wir sind noch ganz im Bann des eben Gehörten und setzen uns mit Gerald auf die Bank vor dem Spijöök. Er erzählt uns von sich und seinen Mitstreitern des Kulturfördervereins Kunstdünger e.V., die schon seit 20 Jahren gemeinsam das Spijöök betreiben.
Er selbst ist in Varel geboren und liebt ganz besonders die Nähe zum Meer. Schon in seiner Jugend hielt er sich viel in Dangast im Kurhaus auf. Dort trafen sich damals wie heute Künstler und Kunstinteressierte, die die besondere Atmosphäre an diesem Platz direkt am Jadebusen inhalierten und in sich aufnahmen. Dort reiften die verrücktesten Ideen, die gemeinsam mit Freunden auch umgesetzt wurden. Der „Flugtag“ zum Beispiel – hier ging es darum, mit selbstgebauten Flugobjekten das Hafenbecken zu umrunden. Das war meist eine nasse Angelegenheit für alle Beteiligten, denn der Flug endete schon nach ein paar Metern in den Tiefen des Hafenbeckens. Oder das „Wattgolfen“ mit erschwerten Teilnahmebedingungen für die Mitspieler – sie mussten ein Handicap wie Haarausfall, Ohrgeruch oder ein ungewaschenes Gesicht vorweisen.

Und natürlich die Fischerspiele, die auch heute noch einmal jährlich immer mit Eröffnung des Spijööks im Mai stattfinden. Da geht es darum, auf einem mit Schmierseife eingeriebenen Balken, der über das Hafenbecken ragt, den Fisch am anderen Ende zu angeln.

Nach dem Grafik- und Designstudium in Münster wurde Gerald Chmielewski freiberuflicher Kinderbuchautor und Illustrator. Er hat für verschiedene Verlage gearbeitet, international ausgestellt und eigene Bücher veröffentlicht und erhielt Auszeichnungen für das Kinderhörspiel „Muku Muh und Bingel Bingel“ und andere Hörspiele, die er in Kooperation mit Partnern produziert habe. Sehr stolz ist er auch über den Niedersächsischen Medienpreis, der ihm und Muck Kemmereit 2014 für das Hörspiel „Das ist ja ein dickes Ei“ verliehen wurde. Natürlich arbeiten die Beiden schon an Folgeproduktionen.

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