Auszeit auf der Insel Wangerooge

Hans-Jürgen rollt auf Wangerooge, vor der Kulisse der Salzwiesen und des neuen Leuchtturms. ©Hans-Jürgen Rohe

Hallo zusammen, 
heute möchte ich euch nach Friesland einladen, genauer zu einem kleinen Ausflug auf der Insel Wangerooge. Die heutige Tour beginnt in Horumersiel, ein kleiner zauberhafter Ort, der sich an der Nordseeküste im Wangerland befindet. Von dort geht es nahezu auf direktem Weg zum Anleger nach Harlesiel und im Anschluss starten wir per Schiff zu einer Auszeit auf die Insel, bei der mein persönlicher Blick vorwiegend der Natur gilt. Bereit für eine kleine Ablenkung, um sich gedanklich von der bezaubernden Atmosphäre dieser Insel einfangen zu lassen? 

 

Dann seid ihr hiermit herzlich eingeladen, mich bei meiner Rundreise zu begleiten.

Aber von Beginn an…
Es ist sehr früher Morgen in Horumersiel und der Wind trägt bereits das salzige Aroma der Nordsee durch die stillen Gassen des Küstenortes, angereichert vom Kreischen der Möwen. Dazu prickelt die frische Morgenluft auf der Haut, die Sonne, die allmählich durch das Wolkenband am Meer bricht, verspricht einen gelungenen Tag. 
Der Tag beginnt sanft, aber voller Versprechen und dann ruft der Deich, der Weg führt hinauf – zu einem Panoramablick, der die Seele weit macht: endlose Wiesen im Rücken, die glitzernde Nordsee im Hintergrund. Der Küstenweg in Richtung Schillig ist gut ausgebaut und führt direkt am Deich entlang. Das Gras weht im Wind, Schafe liegen träge auf dem Damm, kauen genüsslich und präsentieren sich bisweilen als sympathische Hindernisse auf dem Radweg, während der Himmel mit einem lebendigen Schauspiel aus Wolken, Licht und Schatten das Szenario abrundet. 

Sonnenaufgang auf Deichweg
Inmitten nahezu endloser Weiten, dazu in absoluter Ruhe mit der aufgehenden Sonne begrüßt zu werden, dafür lohnt sich das frühe Aufstehen. ©Hans-Jürgen Rohe

Am äußersten Zipfel, dort wo der der Strand in die Wattlandschaft übergeht, kann man die Inseln am Horizont erahnen – Wangerooge, Spiekeroog und bei klarer Sicht sogar Langeoog. Der Blick schweift über das Meer und man spürt: Hier ist das Wangerland wirklich das Land des Windes und der Weite. Die Sonne steigt höher, und es ist Zeit, weiterzuziehen. Die Route führt nun südwärts, vorbei an Dünen, Salzwiesen und kleinen Schafen, die sich im Wind ducken. Der Weg schlängelt sich entlang des Deichs, mit ständigem Blick auf das glitzernde Wasser, bis ich den Anleger in Harlesiel erreiche.

Weite Salzwiesenlandschaft mit Nordsee im Hintergrund und klarem Himmel.
Das klare Wetter ermöglicht einen Fernblick über die ausgedehnten Wiesen bis zur Nordsee im Hintergrund. © Hans-Jürgen Rohe

Harlesiel, das Herz der Fährverbindungen, liegt lebhaft zwischen Hafenbecken und Deich. Während der Sommerzeit ist hier das Rauschen der Nordsee untrennbar mit dem Rufen der Möwen und dem Klang der Schiffshörner verbunden, während Reisende mit ihren Koffern auf das nächste Schiff warten. Der Anleger ist Treffpunkt für alle, die hinaus nach Wangerooge wollen – auf der Suche nach Ruhe, Wind und Weite.

Hafenbecken mit Fähre nach Wangerooge.
Der Blick in den Hafen von Harlesiel mit der Harlingerland, die in Kürze nach Wangerooge ablegt. ©Hans-Jürgen Rohe

Das Wasser glitzert, als das Schiff ablegt, das Signalhorn erklingt und langsam gleitet die Harlingerland vom Kai und alsdann wird die norddeutsche Küste immer kleiner. Die Überfahrt ist eine kleine Reise für sich, ganz allmählich schiebt sich das Schiff durch das Wattenmeer und vorbei an Prielen und Sandbänken. Dabei trägt der Wind das Rufen der Vögel über das Wasser und mit jeder Seemeile wächst die Vorfreude auf die Insel. Das Meer ist hier nie gleich – mal spiegelglatt, mal aufgewühlt - der Horizont verschwimmt zwischen Himmel und Wasser und man versteht, warum die Nordsee die Seele so tief berührt: Sie ist unberechenbar, frei und gleichzeitig wunderschön.

Hans-Jürgen auf der Fähre.
Ein entspanntes Plätzchen auf dem Schiff, ideal geeignet bei der Überfahrt, die Nordsee zu betrachten und dabei die Seele baumeln zu lassen. ©Hans-Jürgen Rohe
Hafenausfahrt mit glatter Nordsee und Reisemobilstellplatz.
Klare Sicht und Fahrt voraus auf Wangerooge. ©Hans-Jürgen Rohe

Nach etwa einer Stunde taucht am Horizont die Silhouette von Wangerooge auf. Erst der markante Westturm und der Neue Leuchtturm und dann der grüne Saum der Dünen. Das Schiff nähert sich dem Anleger und der Wind trägt schon den typischen Inselduft – eine Mischung aus Salz, Sonne und Abenteuer. Am Anleger herrscht geschäftiges Treiben, Urlauber, Insulaner und Tagesgäste steigen aus und bewegen sich als bunte Karawane mit zahlreichen Koffern zum bereitgestellten Zug, dessen Nutzung auch für eingeschränkte Personen aufgrund der perfekten Rampe, problemlos möglich ist. Wer zum ersten Mal hier ist, spürt sofort das Besondere dieser Insel: kein Autolärm, keine Hektik – nur Wind, Wellen und das Gefühl angekommen zu sein.

Nordsee mit Inselspitze am Horizont und Leuchtturm.
Nach fast einer Stunde Fahrzeit ist im Hintergrund Wangerooge mit dem Westturm und dem Neuen Leuchtturm. ©Hans-Jürgen Rohe

Und während sich der Zug langsam in Richtung Wangerooge in Bewegung setzt, führt mein Weg in Richtung Westturm, dem weithin sichtbaren Wahrzeichen der Insel. Der heutige Turm stammt aus dem Jahre 1932 und wurde nach Fertigstellung als Herberge genutzt, nach dem 2. Weltkrieg als Jugendherberge des DJH. Vom Westturm öffnet sich der Blick auf die weite Dünenlandschaft und ein Weg führt weiter entlang der Küste, Richtung Osten. Der „Neue Leuchtturm“ ragt nun in der in der Ferne auf, der als kombinierter Leucht- und Radarturm errichtet wurde, zur Verkehrssicherung dient und mit 62,7 m Höhe zu den höchsten Leuchttürmen der Welt zählt.

Inselbahn mit Nordsee im Hintergrund.
Gut beladen mit Urlaubern, Tagestouristen, Insulanern und reichlich Gepäck bringt der kleine Zug die Fahrgäste zum Bahnhof Wangerooge. ©Hans-Jürgen Rohe
Hoher Quadratischer Turm in Dünenlandschaft.
Die Inselrundreise beginnt, mit dem ersten Ziel, dem 56 m hohen und weit sichtbaren Westturm. Er wurde 1932 erbaut und wird seit dem 2. Weltkrieg als Jugendherberge genutzt. ©Hans-Jürgen Rohe

Nach einer kurzen Etappe entlang der Küste - begleitet vom Rauschen der Wellen und dem Pfeifen des Windes – lockt nun das kleine Zentrum der Insel, wobei sich die „Alte Feuerwache“ zuerst in Szene setzt, mittlerweile wird das Gebäude als Urlaubsunterkunft genutzt, mit Ferienwohnungen in historischem Charme.
Unweit davon fällt ein rot gestrichenes Gebäude mit einer besonderen Geschichte auf, das Friesenhaus – oder korrekt die „Pension Endlich Ruh“. Erbaut wurde es 1934, gehörte zur Friedrich – August – Kaserne und diente dem Kasernenwächter als Wohnhaus, aufgrund der besonderen Konstruktion des Hauses -Fachwerk mit Holzverschalung – überstand das Gebäude die Kriegswirren und wird seit der Umsetzung an dem neuen Platz als Ferienwohnung genutzt.

Backsteingebäude mit Turm und grünen Fensterläden.
Die Alte Feuerwache, die sich unweit vom Ortskern befindet, heute sind in dem Ensemble Ferienwohnungen mit historischen Charme untergebracht. ©Hans-Jürgen Rohe
Rotes Holzhaus mit weißen Sprossenfenstern.
Das Friesenhaus, welches sich inmitten des Inseldorfes befindet. ©Hans-Jürgen Rohe

Nur wenig später ein Blick auf den Sandstrand von Wangerooge – mit einem Szenario aus Strandkörben und anschlagenden Wellen, abgerundet mit einem blauen Himmel und eine spürbare Brise in den Haaren – kein Wunder, dass sich dabei eine zunehmende Entschleunigung bemerkbar macht und das Zeitgefühl in den Hintergrund tritt.

Dünen mit Strandkörbe und rauer Nordsee.
Ausblick von der Strandpromenade auf den weitläufigen Sandstrand und die anschlagenden Wellen der Nordsee. ©Hans-Jürgen Rohe

Im Westen der Promenade fällt dabei der Blick auf die Marine – Signalstation, die 1876 für die Kaiserliche Marine erbaut wurde. Das Gebäude wurde mehrfach umgebaut und war bis 1968 in Betrieb und wurde im Anschluss bis in die 90er Jahre noch als Richtfunk – Station genutzt. Nur einen Katzensprung entfernt macht eine Institution auf sich aufmerksam, das Café Pudding mit den Seehundskulpturen Judith von Eßen im Vordergrund, welches sich in markanter Lage auf einer Düne befindet und das bereits seit 1949 und mittlerweile als Wahrzeichen der Insel gilt. Unweit davon stellt sich die „Pudding – Uhr“ als Motiv an der Strandpromenade zur Verfügung, welches schon zu einem kleinen Wahrzeichen vom Wangerooge geworden ist und bevor mich der Weg weiter entlang der Küste führte, war ein kurzer Abstecher auf dem Holzbohlenweg einfach ein Muss, denn wann besteht schon einmal die Möglichkeit bis fast zur Brandung der Nordsee zu fahren, um z.B. den Schiffsverkehr zu beobachten.

Rundes Café mit Terrasse, im Vordergrund Seehundstatuen.
Ausblick auf das Café Pudding, das aus einem ehemaligen Bunker entstanden ist und seit 1949 die Gäste mit allerlei Leckereien verwöhnt. ©Hans-Jürgen Rohe
Uhr auf Backsteinsäule an Strandpromenade.
Die historische Pudding-Uhr an der Strandpromenade, schon ein besonderer Blickfang, gleichzeitig ein sehr stilvoller Zugang zum Strand. ©Hans-Jürgen Rohe
Holzbohlenweg auf Strand zum Meer.
Der Holzsteg ermöglicht auch Menschen mit Handicap das besondere Flair der Nordsee, mit ihren anschlagenden Wellen und er würzigen Luft, näher genießen zu können. ©Hans-Jürgen Rohe

Alsdann führte der Weg wieder entlang der Küste und ermöglichte in vielfältiger Weise ausgedehnte Blicke auf die Salzwiesen mit verschiedenen Vogelarten. Aber Obacht, man sollte sich hier nicht allzu lange aufhalten, denn gleichzeitig wird dabei die Flugschneise des Flugplatzes durchfahren, worauf auch die Warnschilder eindringlich draufhinweisen. 

Viele Vögel in Salzwiesen mit Nordsee im Hintergrund.
Ein "tierischer Großflugplatz", den sich Möwen und Austernfischer stressfrei teilen, in unmittelbarer Nähe des realen Flugplatzes von Wangerooge. ©Hans-Jürgen Rohe

 Nun stand noch ein weiterer Abstecher in den Ort an, beginnend mit dem National -Park -Haus, auf dessen Freifläche sehr eindrucksvoll das Pottwal - Skelett aufgebaut ist, welcher Anfang 2016 auf der Insel gestrandet ist. Darüber hinaus lohnt sich auch ein Blick in die kostenfreie Ausstellung, in der viel Interessantes über die Insel zu erfahren ist. Fast in Sichtweite davon befindet sich die 1866 erbaute St. – Nikolai – Kirche, ein Ort der Ruhe inmitten der Insel. Vorbei am alten Leuchtturm und der Villa Inselzauber führt der Weg langsam wieder zurück Richtung Anleger. Diesmal geht es durch den Nationalpark Wattenmeer, der Wangerooge umgibt und zum UNESCO – Welterbe gehört und mit bezaubernden Ansichten die letzte Etappe bereichert. 

Salzwiesenfläche
Nochmal ein besonderer Blick auf die zum Teil bizarren Salzwiesen abgerundet mit aufgetürmten Wolkenbergen. ©Hans-Jürgen Rohe
Nationalparkschild in Heidefläche.
Mitten im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, welches zum Teil zum Schutz der Vegetation nur auf den ausgewiesenen Wegen betreten werden darf. ©Hans-Jürgen Rohe

Noch ein kleiner Rundgang durch den Hafen und dann schließt sich mit dem Eintreffen des kleinen Zuges der Kreis, der in den frühen Morgenstunden begann. Mittlerweile senkt sich auch die Sonne und taucht das Watt zunehmend in ein goldenes Licht. Es ist fast still – nur das leise Rauschen der Brandung und das Rufen der Vögel begleiten den Weg zurück zum Anleger.

Als die Fähre ablegt, ist die Sonne bereits tief gesunken. Der Himmel glüht in warmen Tönen – Gold, Rosa, Orange – und spiegelt sich auf der glatten Oberfläche des Wassers. Die Nordsee zeigt ihre sanfte Seite, still und leuchtend, als wolle sie den Tag würdig verabschieden. Menschen stehen an Deck, still, versunken, mit dem Blick zum Horizont. Das Meer rauscht leise am Bug, und irgendwo zieht eine Möwe ihre Bahn. Die Insel Wangerooge wird kleiner, doch ihr Zauber bleibt im Herzen.

Yachthafen unter blauem Himmel mit weißen Wolken.
Ein Blick in den Yachthafen von Wangerooge. ©Hans-Jürgen Rohe

Auf halber Strecke wird es dunkel und die Luft ist kühl, das Rauschen der See beruhigend – eine letzte Umarmung des Nordens, bevor das Festland wieder erreicht ist. In Harlesiel ist es inzwischen Nacht geworden. Der Wind hat sich gelegt, und über dem Hafen glitzern die ersten Sterne. 

Fährhafen bei Sonnenuntergang.
Die untergehende Sonne signalisiert das Ende des Tages und taucht zeitlich die Hafenanlage in ein romantisches Licht. ©Hans-Jürgen Rohe

Der Rückweg nach Horumersiel führt still am Deich entlang. Das Meer ist nur noch als sanftes Rauschen zu hören, irgendwo in der Dunkelheit. Der Mond wirft ein besonderes Licht auf den Deichweg, den ich mit zahlreichen Schafen teile. Es ist ein friedlicher Moment – das Ende eines Tages, der erfüllt war von Wind, Wellen und Eindrücken, die bleiben.

Die Reise durch das Wangerland – von Horumersiel über Schillig und Harlesiel bis nach Wangerooge – ist mehr als eine Fahrt entlang der Nordseeküste. Es ist eine Begegnung mit einer Landschaft, die unendlich wirkt, mit Menschen, die im Rhythmus von Wind und Wasser leben, und mit Momenten, die tief in der Seele nachklingen. Wer hier unterwegs ist, spürt die Freiheit des Nordens: das Rauschen der See, den Wind auf der Haut, den Geruch von Salz und Gras, die Weite, die beruhigt und zugleich belebt. Das Wangerland ist kein Ort für Eile – es ist ein Ort zum Ankommen, Durchatmen und Staunen.

Schafe auf Deichweg bei Sonnenuntergang.
Eine ungewohnte Etappe, bei zunehmender Dämmerung geht es nun wieder in Richtung Horumersiel und damit endet auch das heutige Abenteuer. ©Hans-Jürgen Rohe

Und wenn man am Ende eines solchen Tages in Horumersiel in den Abendhimmel blickt, weiß man: Hier hat das Meer Geschichten geschrieben – und ich durfte eine davon miterleben und euch davon erzählen.

Ich hoffe, die Tour über die Insel Wangerooge hat euch gefallen und ich konnte eine Anregung schaffen, diese in Eigenregie zu besuchen. In diesem Zusammenhang bedanke ich auch für die vielen positiven Kommentare und bei den neuen Followern und vielleicht sehen wir uns beim nächsten Abenteuer wieder.

In diesem Sinn, bleibt gesund und munter

Hans – Jürgen

Mehr Reisebericht von Hans-Jürgen rollt findet ihr auf seinem Facebookkanal und unter ostfriesland.travel.

Förderprojekt WattenVision

Dieser Beitrag wurde im Rahmen des Interreg VI A-Förderprojekts WattenVision / WaddenVisie ermöglicht. Das Projekt läuft von Juni 2024 bis Mai 2028. Zehn Partner aus Deutschland und den Niederlanden - darunter die Ostfriesland Tourismus GmbH - arbeiten gemeinsam daran, eine grenzübergreifende Modellregion für nachhaltige Entwicklung und Naturerleben zu schaffen. Schwerpunkte liegen in der Messbarkeit von Nachhaltigkeit, der Entwicklung von CO2-Kompensationsmodellen, neuen Natur- und Wildniserlebnissen sowie Maßnahmen zur Förderung der Biodiversität im Wattenmeerraum. 
Gefördert durch Europäische Fonds für regionale Entwicklung (EFRE), MB Niedersachsen und die Provinzen Fryslân und Groningen. 

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