Brunnenfund bremst Bauvorhaben

Städte entwickeln und vergrößern sich ständig. Meist geschieht dies durch die Erschließung neuer Baugebiete. So auch in Schortens.

Eine Fläche am Diekenkamp in Schortens, nördlich der historischen St. Stephanus Kirche, sollte als neues Baugebiet erschlossen werden. Ein unvorhergesehener Fund sorgte nun allerdings dafür, dass die großen Baumaschinen stillstehen und die Erdschichten in feinster Handarbeit mit Bürste und Pinseln abgetragen werden.

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Angefangen hat alles mit der Entdeckung eines antiken Brunnens, dessen Herkunft auf das Mittelalter, vermutlich das 12. Jahrhundert geschätzt wird. Eine aufgrund dieses Fundes durchgeführte archäologische Prospektion durch Sondagegräben führte letztendlich zu einer großflächigen Ausgrabung auf einer Fläche von ca. 3 ha. Dabei konnten weitere Brunnen freigelegt werden – in Summe nahezu 100 Stück.

Ein Fund dieser Dimension wirft natürlich Fragen auf. Wer hat diesen Brunnen dort gebaut? Welchen Zweck hatten die Brunnen? Warum eine so große Anzahl?

Das Team um den Dortmunder Archäologen Dr. Georg Eggenstein, welches die Ausgrabungen durchführt, hat anhand mehrerer Indizien eine fachlich begründete Hypothese zu der Herkunft der Brunnen aufstellen können. Aus weiteren Quellen ist bekannt, dass es am Diekenkamp auch im 12. Jahrhundert bereits ein Neubaugebiet gegeben hat. Dieses Baugebiet findet keine frühere spätere Erwähnung und es ist davon auszugehen, dass die Besiedelung damals nicht von längerer Dauer war. Gleichzeitig fand zu dieser Zeit  sehr wahrscheinlich ein weiterer, für Schortens historisch wichtiger, Vorgang statt – der Bau der St. Stephanus Kirche. Die aus Dank im Anschluss an eine siegreiche Schlacht gegen vermeintlich übermächtige Truppen erbaute Kirche gilt heute als älteste Kirche des Jeverlandes. Sie war für damalige Verhältnisse sehr groß und es wurde eine große Menge an Ressourcen für ihren Bau benötigt. Unter anderem Kalkmörtel, welcher aus Muschelkalk von der Küste hergestellt wurde. Auch heute lassen sich im Mörtel der Kirche einzelne Muscheln erkennen. Um den Kalk als Mörtel nutzen zu können, musste dieser gebrannt werden, was in der Nähe der Kirche stattgefunden haben muss. Des Weiteren brauchte man für diesen Vorgang viel Wasser, das eine solch große Anzahl an Brunnen, im Vergleich zu den örtlichen Flüssen, zuverlässig liefern konnte.

Durch den chronologischen Bezug dieser Ereignisse lässt sich somit die These aufstellen, dass die mit der Siedlung am Diekenkamp im 12. Jahrhundert gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen wurden. Den Arbeitskräften wurde eine Unterbringung in unmittelbarer Nähe zu Neubau der Kirche geboten und die Brunnen lieferten zuverlässig das benötigte Wasser zur Herstellung des wichtigen Kalkmörtels.

Es ist schon ein erstaunliches Bild, das sich momentan an der Ausgrabungsstätte bietet und es macht deutlich welch logistischer Aufwand im Mittelalter nötig war für den Bau einer Kirche. Heutzutage sicherlich kaum vorstellbar.

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