Frank Assing – Züchter aus Leidenschaft

Bei ihm sind die Kleinsten die Größten.

Mit dem Züchten von Pferden ist es so ähnlich wie mit Germany’s Next Top Model. Nur das die Models keine hübschen, menschlichen Zweibeiner sind, sondern – wie in diesem Fall – kleine tierische Knuddelpakete auf vier Beinen, genannt Mini-Shetland-Ponys. Um das Prädikat züchterisch wertvoll zu erhalten, müssen sie – ähnlich wie die Models in ihren Castings – viele Schauen durchlaufen, auf denen sie nach Typ, Körperbau, Korrektheit des Ganges, Grundgangarten und Gesamteindruck beurteilt werden. Und was für die Models Heidi Klum ist, ist für die rund 20 Mini-Shettys vom Gestüt Seedeich in Neßmersiel, Frank Assing. Der erfolgreiche Züchter lebt mit seinen Shettys nicht in einer mondänen Modelvilla in LA, sondern auf dem Shettygestüt „Am Seedeich“ in Neßmersiel.

 

 

Ihre Mini-Shettys sind heiß begehrt, oder?

Frank Assing: Ja, vor allem dank einer großen Auktion. Da hatte der Oldenburger Pferdezucht-Verband bei mir angerufen. Die suchten ein Mini-Shetty, das zugunsten der Welthungerhilfe versteigert werden sollte. Für eine Tombola würde ich keins meiner Pferde hergeben. Aber die Welthungerhilfe – das ist für einen guten Zweck, da habe ich mitgemacht. Außerdem sind das seriöse Pferdeleute, die sich auskennen.

 

Was ist das für ein Verband?

Frank Assing: In dem Oldenburger Verband sind die Großpferde registriert. Die kleinen Pferde, also Ponys, Shettys, Haflinger, Isländer und sonstige Reitponys sind im Pferdestammbuch Weser-Ems e. V. registriert. Da bin ich als Züchter auch drin. Jedenfalls habe ich damals eines meiner Ponys an den Verband verkauft. Das Pony ist damals nach Monaco versteigert worden. Für mich war das eine tolle Werbung, denn danach habe ich noch weitere Ponys bis nach Spanien, Ägypten, Thailand  und Schweden verkaufen können. Und das Pony in Schweden – der Anton – ist sogar das Maskottchen für eine schwedische Versicherungsgesellschaft geworden. Der Käufer hatte den Anton als Weihnachtsgeschenk für seine Frau gekauft. Die reitet weltweit auf vielen Turnieren und nutzt Anton als Beisteller.

 

Was ist ein Beisteller?

Frank Assing: Pferde und Ponys sind Herdentiere. Ein Pferd alleine halten, das geht nicht. Es müssen mindestens immer zwei Pferde zusammen sein. Zur Not kann man ein Pferd auch Schafen oder Ziegen beistellen. Jedenfalls ist die besagte Turnierreiterin oft mit zwei Pferden unterwegs. Wenn sie mit dem einen Pferd reitet, dann fungiert der Anton als Beisteller für das andere Pferd.

 

Als Tröster-Pony sozusagen!

Frank Assing: Ja genau.

 

Wie sind Sie zu Ihrem Hobby gekommen?

Frank Assing: lacht. Ich stamme aus einer landwirtschaftlichen Familie. Meinem Opa lag das schon im Blut. Ich mache das jetzt als Hobby, nicht im Haupterwerb. Damals wollten wir zunächst nur für unsere Urlaubsgäste ein paar Streichel-Ponys haben. Wir haben verschiedene Pferderassen verglichen und haben uns dann für die Mini-Shettys entschieden, weil sie niedlich und zierlich sind. Einfach schöne Kinderponys. Das sehen wir immer, wenn die Gäste hier spazieren gehen. Mit einer Größe von nur 87 cm sind die Ponys ja in Augenhöhe für die Kinder. Bei größeren Pferden müssen die Kids sonst immer hochschauen. Wir waren uns auch einig, dass wir nur Ponys mit guter Abstammung, also mit Papieren, kaufen wollten. Tja und dann haben wir drei Stuten gekauft. Eine ältere, schwarze Stute, weil unser Sohn Nico unbedingt ein schwarzes Pferd haben wollte, und zwei Jährlinge guter Abstammung. Die sind später auch ausgezeichnet worden.

Diese Auszeichnungen sind wichtig für den züchterischen Erfolg?

Frank Assing: Ja, dadurch baut man sich einen Namen für die Zucht auf. Wir haben damals Glück gehabt. Beide Jährlinge sind Staatsprämienstuten geworden. Die Stuten habe ich immer noch. Die sind mittlerweile 36 Jahre alt.

 

Staatsprämienstuten? Heißt das, sie bekommen Geld vom Staat, weil sie so erfolgreich züchten?

Frank Assing: lacht. Nein, das wäre natürlich toll. Es handelt sich dabei um ein Prädikat, da gibt es kein Geld.

Also, das fängt mit den Fohlen bereits an. Im Juli sind die Fohlenregistrierungen. Die Fohlen werden dort gechipt. Das Chippen ist Pflicht. Außerdem werden die Fohlen hier bereits von einer Kommission beurteilt und verglichen. Es wird nach der Farbe geschaut und Haare gezogen, um die Abstammung zu überprüfen. Die wissen dann genau, wer die Mutter und wer der Hengst ist.  Die besseren Fohlen bekommen da bereits eine Prämie. Das ist natürlich bei den Tieren auch immer tagesformabhängig.  So wie bei meinem Alwin. Als er prämiert werden sollte, bin ich bei schwülwamen 30° mit ihm losgefahren. Alwin hatte so gar keinen Bock. Er war mit einer Stute im Hänger und als ich ihn ausladen wollte, traf mich fast der Schlag. Der gute Alwin lag träge mitten in den Pferdeäpfeln der Stute. Er sah aus wie ein Schw …, wie ein Ferkel. Und bei der Fohlenschau war er müde und schlapp und hatte keine Lust.

Im Alter von drei Jahren geht’s dann für die Stuten weiter zur Stutbuch-Aufnahme. Hier werden sie wieder beurteilt und registriert. Dann kann ich mit ihnen züchten.  Es werden Typ, Körperbau, Korrektheit des Ganges, Grundgangarten und Gesamteindruck bewertet. Die Farbe spielt keine Rolle.

Dann kommt die nächste Stufe, die Bezirksstutenschau. Und wenn die Stuten gut genug sind, gehen sie zur Elitestutenschau. Dort werden sie dann für die Verbandsprämienanwartschaft oder noch besser, für die Staatsprämienanwartschaft ausgezeichnet. Die Stuten haben dann schon ganz besondere Leistungseigenschaften. Die Bewertungen laufen über ein Punktesystem, das ist für Laien alles sehr kompliziert.

Wichtig für die Stuten ist auch die Nachzuchtprämie. Man muss mindestens vier Fohlen vorstellen, davon müssen drei Fohlen eine Fohlenprämie bekommen haben. Erst dann bekommen die Stuten eine Nachzuchtprämie. Wenn eine Stute besonders gute Nachkommen hervorbringt, dann ist sie eine Elitestute.

Bei den Hengsten ist das genauso. Wenn die mehrere gute Nachkommen haben, dann erhalten sie eine Nachzuchtprämie, oder sie werden Elitehengste. Das hat unser Apatsche auch geschafft.

 

Mein Gott, mir schwirrt der Kopf. Da sind Sie ja ständig mit Ihren Pferden unterwegs? Das ist doch anstrengend!

Frank Assing:  schmunzelt. Ja, aber man ist auch über die Erfolge sehr stolz. Vor Jahren habe ich mich noch zusätzlich an den Bundesschauen der Shettyzüchter in Bad Harzburg beteiligt. Da habe ich zweimal den Bundessieger gestellt.  Oder die Europaschau in Meckpomm. Ich dachte, wenn ich irgendwo im Mittelfeld lande, ist das schon okay. Ich war mit drei Stuten da, eine hat eine Goldmedaille geholt und die beiden anderen Silbermedaillen. Das war damals toll. Da war ich sehr stolz.

 

Kommen wir jetzt mal zu einem einfacheren Thema: Was ist das Besondere an den Shettys?

Frank Assing: Das Shetland-Pony zeichnet sich durch sein sanftmütiges und gutmütiges Wesen aus. Im Umgang mit Menschen und vor allen Dingen Kindern ist es sehr freundlich und angenehm. Sie sind sehr robust und genügsam. Außerdem bleiben sie auch im Winter draußen. Dort fühlen sie sich eh wohler als drinnen. Nur wenn es im Frühjahr zu kalt ist, dann hole ich die Fohlen vorübergehend in den Stall.

Werden die Pferde bei Ihnen auch geritten?

Frank Assing: Nein, das bieten wir nicht an. Die Pferde sind nicht eingeritten. Wenn die Kinder fragen, nehme ich sie mit auf die Weide, dann können sie die Shettys streicheln.

 

Woher stammen die Pferde?

Frank Assing: Wie der Name schon verrät, stammt die Kleinpferderasse von den Shetlands, einer zu Schottland gehörenden Inselgruppe.

 

Wo wurden die Ponys eingesetzt?

Frank Assing: Sie wurden früher als reine Arbeitspferde gezüchtet und vorwiegend im Bergbau eingesetzt. Sie sind ja extrem starke Ponys, die das doppelte ihres eigenen Gewichtes ziehen können.

 

Angenommen, ich möchte mir ein Mini-Shetty zulegen? Was muss ich für ein Mini-Shetty bezahlen?

Frank Assing: Das ist ganz verschieden. Ein Hengstfohlen geht los bei 200 €. Wenn die besser sind auch 300 – 500 €. Ein gekörter Hengst, also für die Zucht zugelassen, geht los ab 1.000 €, nach oben keine Grenzen. Und ein Stutfohlen kostet so 700/800 €. Für ausgewachsene Fohlen oder bessere Stuten bezahlt man 1.300 und 2500 €. Auch nach oben keine Grenzen.

 

Unterstützt Ihre Familie Sie bei der Pferdeaufzucht?

Frank Assing: Hauptsächlich mache ich das. Aber meine Frau hilft mir oft, vor allem, wenn Not am Mann ist. In der Regel bekomme ich erst morgens mit, wenn Fohlen in der Nacht geboren sind. Wir hatten einmal nachts einen komplizierten Fall. Normalerweise kommen die Fohlen mit den Vorderhufen und dem Kopf voran auf die Welt. Bei dem Fohlen war ein Bein verdreht. Dann muss ich das Fohlen wieder in die Gebärmutter drücken, um das Bein dann in die richtige Lage zu drehen. Das ist Schwerarbeit und ich schaffte es nicht alleine. Meine Frau hat Verstärkung geholt und in der Zwischenzeit im Stall alles für die zwei Pferde vorbereitet. Denn beide waren aufgrund der schweren Geburt – die aber Gott sei Dank gut verlief – sehr geschwächt. So etwas passiert eben. Es gibt auch ab und zu Fehlgeburten. Das gehört eben auch dazu.

 

Meine letzte Frage, Herr Assing: Was ist eigentlich aus Alwin, dem sturen Hengst, der die Fohlenprämierung buchstäblich verkackt hat, geworden?

Frank Assing: Alwin – (lacht). Der geht nicht vom Hof. Wie der geboren wurde, habe ich gedacht: Man, was für ein hässliches Pony. So viel weiß. Aber der hat sich auch charakterlich so toll entwickelt. Seine Fohlen sind alle beste Kinderponys. Die kommen gleich angelaufen und schnuppern. Die sind total lieb, gutmütig und ruhig.  Der Alwin ist klein und kräftig – top! Mein bestes Pony. Und so ein Pony gibt man nicht ab.

 

Herr Assing, ich danke für das Gespräch und wünsche Ihnen weiterhin ein gutes Augenmaß für Ihre Shetty-Zucht!

 

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