„The American Dream“ in Ostfriesland

In Emden und Assen wartet etwas Großartiges auf euch: Die Kunsthalle und das Drents Museum zeigen ab dem 19. November die Ausstellung "The American Dream". Teetied hat sich schon mal bei Ilka Erdwiens von der Kunsthalle Emden informiert. Hier lest ihr, was euch erwartet!

Bei dem Stichwort „Der amerikanische Traum“ denken viele Ostfriesen sicher an ihre Verwandten in Illinois oder Iowa. Dort gibt es bis heute ganze Dörfer, in denen Plattdeutsch gesprochen wird. Die ersten Ostfriesen wanderten schon im Zuge der niederländischen Kolonisierung Amerikas aus. Durch die engen Bande zwischen den Nachbarn waren Ostfriesen im 17. Jahrhundert im gesamten niederländischen Weltreich zu finden, auch in Nieuw Amsterdam, dem späteren New York. Die ganz große Einwanderungswelle setzte aber erst Mitte des 19. Jahrhunderts ein, als ein System abgeschafft wurde, nach dem weiße Immigranten – oft auch noch deren Kinder – in den USA durch eine Art Zwangsarbeit die Schulden der Überfahrt abarbeiten mussten. Viele Ostfriesen zog ihr „American Dream“ nun in den Mittleren Westen. Die weiten Ebenen dort erschienen ihnen heimatlich vertraut und ihre Ernte mahlten sie mit Windmühlen, die nach ostfriesischem Vorbild gebaut wurden.

Stephen Shore, U.S. 97, South of Klamath Falls, Oregon, July 21, 1973, 1973,  Chromogener Farbdruck, 50,8 x 61 cm © Stephen Shore, 303 Gallery, New York

Dass „The American Dream“, die überhaupt erste große Ausstellung zum amerikanischen Realismus in Europa, nun gerade in Ostfriesland und in den Niederlanden stattfindet, erscheint da schon fast zwangsläufig. Die gemeinsame Schau des Drents Museum Assen und der Kunsthalle Emden konzentriert sich auf die Kunst nach dem zweiten Weltkrieg. Damals eroberte gerade der abstrakte Expressionismus die Welt, wie man heute weiß, sogar mit Unterstützung der US-Regierung, die diesen Stil als Zeichen westlicher Modernität gegen den sozialistischen Realismus im Ostblock in Stellung brachte. Doch der Realismus in den USA entwickelte sich ungeachtet dieses Kulturkampfs im kalten Krieg immer weiter. Menschen waren und sind nun einmal fasziniert von der wirklichkeitsgetreuen Darstellung der Dinge, die sie umgeben, und der Zeit, in der sie leben.

Stone Roberts (*1951), A Bend in the Road, 2003 -2004, Öl auf Leinwand, 72 x 76 Inch. Louis-Dreyfus Family Collection © Stone Roberts, Courtesy of The William Louis-Dreyfus Foundation Inc.

Die beiden Museen haben die Werke chronologisch verteilt: Assen zeigt 60 Werke aus der Zeit 1945-1965, Emden dann rund 140 Werke von 1965 bis heute, von Weltstars wie Edward Hopper über Andy Warhol bis hin zu Kehinde Wiley, der soeben als offizieller Porträtmaler von Michelle und Barrack Obama ausgewählt wurde. Im ‚Discovery Diner‘, gestaltet wie ein typisch amerikanisches Lokal, geben Filme, Songs und Informationen zum Zeitgeschehen Einblick in den American Way of Life und regen Fragen an: Wieviel davon ist in unseren europäischen Alltag eingedrungen? Und was davon geht vielleicht sogar ursprünglich auf ostfriesische Einwanderer in den USA zurück, wie die Ur-Mickey Mouse, für Walt Disney gezeichnet von Ub Iwerks, Sohn von Ubbe Iwwkers aus Uttum? Oder der Anarcho-Humor der „Marx Brothers“, deren Mutter Mine aus Dornum stammte?

Don Jacot (*1949), Flash Gordon, 2007, Öl auf Leinen, 54 x 72 inches © Don Jacot, Courtesy Louis K. Meisel Gallery, New York

Auch das Drents Museum Assen begleitet seinen Teil der Ausstellung mit interessanten Zusatzangeboten. Besonderer Hingucker: hier orientiert sich die eigens entworfene Ausstellungsarchitektur am Straßenverlauf von Manhattan.  Der Kunstgenuss geht auch beim Stadtbummel durch die charmante Altstadt weiter: am historischen Hafenbecken in Assen wird eigens eine „Statue of Liberty“ á la Drenthe errichtet. Sie reckt anstelle der Fackel eine Dose braune Bohnen  in den Himmel, das typische Gericht in der Region, das durch die Geschichten um den kleinen Jungen Bartje des Autoren Anne de Vries in den ganzen Niederlanden bekannt wurde.

Noch mehr Einblicke zur Ausstellung bekommt ihr im Trailer sowie unserer Bildergalerie:

 

Ihr habt Lust auf mehr bekommen? Die Ausstellung „The American Dream. Amerikanischer Realismus.“ läuft vom 19.11.2017 bis 27.05.2018 in der Kunsthalle Emden und im Drents Museum Assen. Mehr Informationen sowie Tickets bekommt ihr auf der Webseite www.visittheamericandream.com.

Titelbild: Stone Roberts (*1951), Grand Central Terminal: An early December Noon in the Main Concourse, 2009 -2012, Öl auf Leinwand, 188 x 193 cm © Stone Roberts, Courtesy of The William Louis-Dreyfus Foundation Inc.. Louis-Dreyfus Family Collection

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