Die Songs der Wellen

Das Meer und die Musik – zwei feste Bestandteile im Leben von Alexander Wilken. Mit SUP-Board und Saxofon surft der Mann, der sich als Künstler „Prince Alec“ nennt, durch die Welt – und macht dabei auch immer wieder Zwischenstopp in Ostfriesland. Von einem, der als Kreativmensch und Soul-Surfer mit norddeutschen Wurzeln die Leichtigkeit als Lifestyle perfektioniert hat. Interview: Stefan Heinrich

Alexander, hast du schon mal auf dem Surfbrett Musik komponiert?

Na klar – andauernd sogar! Das Element, die Natur und die Weite sind sehr, sehr inspirierend! Beim Surfen fallen mir verschiedene Melodien ein, die ich direkt nach der Session in meinem Campervan ins portable Tonstudio einspiele. Das Lustige ist, dass die Musik ein Spiegelbild der jeweiligen Surfbedingungen ist. Wenn ich mit dem Windsurfbrett bei sechs bis sieben Windstärken draußen bin, dann habe ich richtige Powersong-Ideen. Dagegen ist die Musik nach einer entspannten SUP-Session megachillig. Oder die Songs werden von dem Ort beeinflusst, an dem ich gerade bin – auf  Bali zum Beispiel habe ich die traditionellen Gamelan-Melodien in meine Songs einfließen lassen.

Bildnachweis: Ute Bruns / Ostfriesland Verlag SKN

Du bist ein außergewöhnlich kreativer Mensch, der in verschiedenen Bereichen unterwegs ist – wie würdest du deinen Beruf bezeichnen?

Ich sehe mein Schaffen nicht als klassischen „Beruf“ – klar verdiene ich Geld damit, aber bei mir ist es eher Leidenschaft und Lifestyle, die mich antreiben. Ich bezeichne mich als positiven Freigeist, der als Musiker und Surfer durch die Welt reist. Im Gegensatz zu anderen „muss“ ich nichts machen, ich „will“ es machen und habe viel Spaß dabei. Ich würde meinen Job eher als „Aufgabe“ bezeichnen: Ideen reifen, ein kreativer Prozess beginnt und ich setze das dann mit einer großen Portion Leidenschaft um. Ich brauche Aufgaben, daran habe ich am meisten Spaß – privat, im Job, auf Reisen. Zwei Tage Wellness-Hotel sind okay, danach will ich aber raus: Abenteuer erleben, Land und Leute kennenlernen.

Alexander  wusste schon früh im Leben, was er wollte! Mit 16 Jahren entschied er sich, als surfender Musiker sein Geld zu verdienen. Musikalisch machte er seine ersten professionellen Erfahrungen in der Big Band seiner Schule, als Brettsportler wurde er in einer Surfakademie in der Nähe seiner Heimat St. Peter Ording zum Windsurfprofi – die Basis für sein späteres Erwachsenenleben. In den letzten Jahrzehnten war „Prince Alec“ auf der ganzen Welt unterwegs und hat auf allen Kontinenten die Lineups unsicher und mit seiner Musik die Menschen glücklich gemacht. Heute verbindet er seine zahlreichen Interessen und macht das Gesamtpaket zu seinem ganz eigenen Lifestyle – als SUP-Surfer, Saxofonist, DJ und Golfer. Das Ergebnis: Konzerte, Festivals und innovative Veranstaltungen – zum Beispiel auf Borkum.

Auf Borkum bin ich immer wieder sehr gern. Ich trete im Musikpavillon auf und spiele dort Saxofon und elektronische Musik. Das Schöne ist, das sowohl die Jüngeren als auch die Älteren daran viel Spaß haben – Musik verbindet einfach. Und die wunderschöne Kulisse tut natürlich ihr Übriges! Borkum strahlt auf mich so eine Ruhe und Gelassenheit aus, ich liebe es dort. Überhaupt ist Ostfriesland wirklich wunderschön – die Nordsee, die Strände, die Wellen! Und auch die Menschen sind genau mein Ding: ein bisschen Sturkopf, aber dabei sehr herzlich! Auch wenn das „meine“ Leute rund um St. Peter nicht gern hören: Die Ost- und Nordfriesen sind vom gleichen Menschenschlag – darum fühle ich mich auch in Ostfriesland zu Hause!

Bildnachweis: Benjamin Tebben-Willgrubs / Ostfriesland Verlag SKN

Du warst schon auf Hawaii oder in Indonesien surfen – wieso zieht es dich als Surfer trotzdem immer wieder nach Ostfriesland zurück?

Also, ich muss vorsichtig sein – in der Surfszene verrät man Geheimtipps nicht einfach so! Aber ich will mal so sagen: Es gibt wenige Orte auf der Welt, an denen mich die Bedingungen so positiv überrascht haben wie in Ostfriesland. Auf Borkum und Norderney hatte ich schon richtige fette Tage! Das ist aber auch nicht überraschend, wenn man sich mal mit den Gegebenheiten vor Ort beschäftigt: Die Inseln liegen tief in der Nordsee, die Wellen krachen aus tiefem Wasser auf flachen Untergrund und können sich schön aufbauen. Anders als zum Beispiel bei mir zu Hause in St. Peter Ording, wo der Meeresboden über eine große Strecke flach ansteigt und die Wellen unterwegs ihre Kraft verlieren. Wenn auf Borkum dann auch noch richtiger Wind dazukommt und die Strömung nicht zu stark ist, dann können Surfer und SUPler dort richtig geile Sessions erleben. Klar, Borkum ist nicht Hawaii – wer aber eine Weile dort ist und die Wind- und Wetterkarte richtig deutet, der wird als glücklicher Brettsportler die Insel verlassen!

Borkum, Bali, Portugal – Alexander hat schon viele Ecken und Enden dieser Welt gesehen. Er ist auf einsamen Flüssen gepaddelt und Vier-Meter-Wellen auf dem SUP-Board abgeritten, er hat mit Surfberühmtheiten das Lineup und bekannten Musiker-Kollegen die Bühne geteilt. Dabei schafft er es immer wieder, in die Kultur des jeweiligen Ortes einzutauchen, das Leben vor Ort aufzusaugen und sich mit den Menschen auszutauschen. Neben seinen eigenen kreativen Aufgaben kümmert sich Alexander auch immer wieder um das Wohlbefinden der Natur – als Wassersportler liegt ihm dabei das Meer natürlich besonders am Herzen.

Die Verschmutzung der Ozeane war für mich immer schon ein Thema! Es tut mir weh, so viel Müll im Wasser und am Strand zu sehen – und es wird immer schlimmer! Während der Corona-Pandemie habe ich überlegt, was ich aktiv dagegen tun kann und hatte die Idee für die Nordsee-Challenge. Ich werde mit meinem SUP-Board an verschiedenen Küsten der Nordsee so lange unterwegs sein, bis ich 100 Kilometer zusammengepaddelt habe und am Ende einen Dokumentarfilm und ein Musikalbum daraus machen. Das Projekt soll die Menschen daran erinnern, wie erhaltenswert die Küste direkt vor unserer Haustür ist. Ich will das nicht mit dem erhobenen Zeigefinger tun  – ihr „müsst das“ und ihr „sollt dies“ – alle sollen bei der Nordsee-Challenge Spaß haben und den nachhaltigen Sinn und guten Zweck erkennen.

Bildnachweis: Alexander Wilken

Wer als deutscher Surfer richtig gute und vor allem konstante Wellen surfen will, der muss reisen! Machst du dir Gedanken, wenn du als Surfer und Musiker weltweit unterwegs bist und dabei Ressourcen und die Natur für dich nutzt?

Ich bin mir dessen sehr wohl bewusst und reflektiere das natürlich auch. Aber genau deswegen möchte ich darauf aufmerksam machen, dass wir unsere Welt nicht immer nur „benutzen“ können, sondern uns um sie sorgen und auch etwas zurückgeben müssen. Egal ob Bali oder Borkum – wir müssen ernsthaft damit anfangen, uns um unseren Planeten zu kümmern! Ich hoffe, dass ich mit der Nordsee-Challenge etwas zurückgeben kann.

Wie geht es bei dir persönlich weiter? Auf welchen Bühnen und in welchen Lineups sehen wir dich demnächst?

Die Pandemie war als selbstständiger Künstler nicht einfach, aber ich habe immer versucht, intuitiv und inspiriert zu bleiben und mich auf die Projekte zu fokussieren, die mich als Mensch und Künstler weiterbringen. Ich bin der festen Überzeugung, dass sich jeder, und sei die Krise noch so groß, mit Kreativität, Disziplin und Sport in der Natur seine Lebensfreude beibehalten kann. Und genau aus diesem Grund werde ich surfend und musizierend weiter durch die Lande ziehen – auch nach Ostfriesland! Wer genau wissen will, wo ich diesen Sommer surfe und Musik mache, der kann gern auf princealec.com vorbeischauen!

Alexander, danke dir sehr für das inspirierende Gespräch!

Surfspot-Tipps in Ostfriesland

Bildnachweis: Martin Stromann / Ostfriesland Verlag SKN

Borkum

Eine super Surfdestination für alle Brett- und Wassersportler – egal ob Anfänger oder Profi, hier kommst du auf deine Kosten!

Die vorgelagerte Sandbank bietet Schutz vor der Nordseebrandung und macht die Bucht zu einem optimalen Revier mit Top-Bedingungen für SUPler, Wind- und Kitesurfer. Bei starkem West- und Nordwestwind baut sich am Nordstrand, Höhe Jugendbad, eine ordentliche Brandung auf, in der du als Wellenreiter oder Wellen-SUPler Spaß hast. Wenn du Surfanfänger bist, solltest du vorsichtig sein, die Strömung ist hier vor allem bei auflaufendem Wasser ziemlich stark.

Borkum ist die westlichste und größte der insgesamt sieben bewohnten Ostfriesischen Inseln und mit der Fähre von Emden aus in gut zwei Stunden zu erreichen. Mit dem Katamaran geht’s deutlich schneller. Du kannst auch vom niederländischen Eemshaven aus in 50 Minuten rüberfahren. Wenn du dein Auto nicht mit auf die Insel nehmen möchtest, kannst du auf speziellen Parkplätzen auf dem Festland parken – auf Borkum bist du als Surfer mit dem Fahrrad deutlich flexibler und entspannter am Spot!

Übrigens:  Nach 20 Jahren macht der „Multivan Windsurf Cup“ wieder Station auf Borkum. Vom 1. bis zum 3. Oktober 2021 geht es für die deutsche Windsurf-Elite vor der größten ostfriesischen Insel um Punkte und Pokale.

Norderney

Norderney ist für Surfer schon lange kein Geheimtipp mehr – aber genau deswegen solltest du mal hin!

Die Insel bietet bei jeder Windrichtung gute Bedingungen – egal ob du SUPler oder Brettsportler bist, der Wind und Welle bevorzugt. Auf der Nordseite der Insel findest du zwei Spots, auf der Südseite einen (und noch ein paar mehr, wenn du ein wenig suchen gehst oder die Locals nett fragst!). Am besten bringst du dir ein Transportmittel für dein Material mit – Fahrrad, Surfwagen, Leiterwagen – denn vom Parkplatz zum Strand ist es immer ein kleiner Fußweg. Vorsicht vor den Steinbuhnen im Wasser, die sind vor allem bei Hochwasser leicht zu übersehen! Der Spot am Yachthafen ist vor allem für Anfänger gut geeignet – dort befindet sich auch eine Surfschule.

Die Fährfahrt nach Norderney dauert rund eine Stunde, die Schiffe fahren fast stündlich. Wenn du mit dem Zug bis Norddeich Mole fährst, kannst du zu Fuß in ein paar Minuten zum Fähranleger laufen. Für dein Auto gibt es auf dem Festland spezielle Parkplätze.

Norddeich

Norddeich gilt  inzwischen als eines der besten Anfänger- und Schulungsreviere in Deutschland! Viel Platz, perfekte Bedingungen und eine schützende Sandbank machen Norddeich zum perfekten Revier für diejenigen, die ihre ersten Surfversuche wagen wollen.

Je nach Tidenstand findest du hier stehtiefes Flachwasser oder kleine Windwellen, falls du auf die ersten Sprünge oder das Abreiten mit dem SUP-Board Lust hast. Aber denk daran: Norddeich ist ein Tidenrevier! Das bedeutet: kein Wasser, kein Surfen! Rund zweieinhalb Stunden vor bis zweieinhalb Stunden nach Hochwasser ist Surfen, SUPen und Kite- oder Windsurfen möglich. Bei starkem Westwind wird das Wasser an die Küste gedrückt, dann kannst du meistens noch etwas länger Spaß auf dem Wasser haben. Mit dem Auto fährst du bis nach Norddeich, danach in Richtung „Norderney-Anleger“ und biegst dann zum Yachthafen ab.

Stefan Heinrich

ist Journalist, Buchautor und Gründer von travelonboards.de und surflovetravel.com – zwei erfolgreiche deutschsprachige Surf- und Kitesurfmagazine. Wenn er gerade keine Dokumentationen für Fernsehsender dreht oder Bücher schreibt („111 Gründe, surfen zu gehen“), bereist er auf der Suche nach der perfekten Welle die Welt und berichtet von seinen Surftrips – samt Tipps, Infos und Interviews rund ums Surfen, Kitesurfen und Reisen. Er lebt mit seiner Frau und seinem Sohn abwechselnd in Hamburg und Portugal.

Titelbild: Alexander Wilken

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