Familienbande: Das Haus Cirksena

In der Serie "Familienbande" blickt Teetied auf die Geschichte von Ostfriesland, mit ihren Häuptlingsfamilien, Burgen und Schlössern.

Sie galten als eines der ältesten und ehrwürdigsten Häuser in den ostfriesischen Landen: die Cirksenas.

Ostfriesische Häuptlingsfamilien: Das Haus Cirksena
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts war die Familie jedoch ein aussterbender Stammbaum. Es gab keine männlichen Erben, die den Familiennamen in die Zukunft tragen konnten. Trotz dieser Tatsache entwickelten sich die Cirksena zu einer der bekanntesten und bedeutendsten Familie in der ostfriesischen Historie.

Hier kommt der Greetsieler Häuptling Enno Attena ins Spiel. Um sich den angesehenen Namen anzueignen, ehelichte er eine der zwei letzten Nachfahrinnen der Cirksena. Doch Enno Attena sollte den Namen Cirksena nicht nur vor dem Verschwinden bewahren. Er war es schließlich, der den Weg seiner Bekanntheit bereitete.

 

 

 

 

 

 

 

 

Um 1430 stellten sich Enno und seine Söhne Edzard und Ulrich an der Spitze der ostfriesischen Stände, als Freiheitsbund der Sieben Ostfrieslanden, dem Häuptling Focko Ukena entgegen und besiegten diesen. Danach fiel beinahe ganz Ostfriesland unter die Herrschaft der Cirksena. Denn Ukena hatte zuvor den mächtigen Stamm der Häuptlingsfamilie tom Brok um ihren gesamten Landbesitz gebracht. Den Machtanspruch sicherte Ulrich, in dem er die Tochter des Besiegten heiratete. In der Folge wurden Emden und seine Burg Hauptsitz der Cirksena. Noch heute sind die Spuren erkennbar durch die Harpyie der Familie im Wappen der Stadt. Mit Ulrich Cirksena hielt schließlich auch der zuvor in den friesischen Landen stolz abgewehrte Feudalismus Einzug. 1464 adelte Kaiser Friedrich III. des Heiligen Römischen Reiches den ostfriesischen Herrscher zum Grafen Ulrich den Ersten. So verlor Ostfriesland schließlich mit der Reichsunmittelbarkeit auch seine Freiheit.

Graf Edzard I. „der Große“ (*1462-1528)
Jacob Cornelisz van Amsterdam
Bildquelle: Wikipedia / Wikimedia Commons

Ulrichs Sohn Edzard I., der später „der Große“ genannt wurde, dehnte die Landesgrenzen der Grafschaft Ostfriesland zu ihren weitesten gekannten Ausmaßen aus. Das Jeverland konnte er allerdings nur unter dem Versprechen gewinnen, die dortigen Erbtöchter Maria von Jever und ihre Schwestern mit seinen Söhnen zu verheiraten. Es kam wie es kommen musste! Sein Sohn Enno II. brach 1429 unglücklicherweise das Versprechen, demütigte das Fräulein von Jever und zog sich ihre dauerhafte Feindschaft zu. Letzten Endes führte dies zum unwiderruflichen Verlust Jevers, denn die kinderlose Maria vererbte ihr Herrschaftsgebiet testamentarisch an Oldenburg.
Eine Generation später sollte bei den Cirksenas königlich geheiratet werden. Edzard II. ehelichte Prinzessin Katharina von Wasa, die Tochter des schwedischen Königs. Was genau damals passierte und wie die Prinzessin nach Ostfriesland kam, können interessierte Besucher heute bei einer spannenden Führung in Pewsum erfahren. Dort können sie die Prinzessin persönlich kennenlernen und sich ihre Geschichte erzählen lassen. Zurück in der Vergangenheit: Auch die Religionskonflikte der damaligen Zeit entluden sich in Edzards Zeit. 1595 kam es in der Emder Revolution zur Abspaltung der calvinistischen Stadt von den lutherischen Cirksena. Notgedrungen wurden so Aurich und die Averborg neuer Stammsitz. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts schien es wieder bergauf zu gehen. Die Cirksena wurden in einen neuen Adelstand befördert, in dem sie sich den Fürstentitel für die Familie erhandelten.

1731 machte sich ein späterer Cirksena, Fürst Georg Albrecht, bei den Ostfriesen unbeliebt, als er die Boßelwettkämpfe verbot. Er betrachtete diese als Unordnung mit zu viel „Saufen, Fressen Schimpfen, Fluchen, Schlägereien und Verletzten“. Durch das Verbot des ostfriesischen Nationalsports wollte er die Alkoholsucht eindämmen. Sein Sohn, der spätere Fürst Carl Edzard, wurde streng und nach striktem Stundenplan erzogen. Jeder seiner Schritte war vorgegeben, Spaß gab es nicht. Die traurige Kindheit zog sich auch durch Carl Edzards Erwachsenalter weiter. Bei den friesischen Untertanen hatte er keinen Rückhalt. Entscheidungen traf er angeblich nur auf dem Papier; die eigentliche Verwaltung übernahmen andere.

Das Familienwappen der Cirksena


Bildquelle: Wikipedia / Wikimedia Commons

Als Carl Edzard eines Tages nach einem Spaziergang ein Glas Buttermilch trank, erkrankte er schwer. So sehr, dass er 1744 als letzter Fürst der Cirksena verstarb. Niemand weiß, ob er vergiftet wurde. Er hinterließ keine Erben und somit niemanden der den Namen weiterführen konnte. Nun, 300 Jahre nach Enno Attena, starb mit Carl Edzard die Linie der Cirksena schließlich doch aus. Ostfriesland sollte von da an durch den preußischen König Friedrich den Großen regiert werden.

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Serie „Familienbande“:

Folge 1: Die Cirksena

Folge 2: Die Tom Brok

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