Interview mit Ubbo Looden

Einem Krabbenfischer aus Greetsiel

Ubbo Looden stammt aus einer alten Fischerfamilie – die Namen Looden, Conradi, Willems und Poppinga gehören in Greetsiel seit Jahren zu den Familien mit langer Fischertradition. Ubbo wohnt mit seiner Frau und den drei Kindern (die Tochter arbeitet in einem Steuerbüro) in Greetsiel. Die beiden Söhne wollten „so ganz ohne Druck“, beteuert Ubbo, auch Fischer werden. Der älteste Sohn Ubbo jun. hat bereits den Kutter seines Vaters übernommen – die „Magellan GRE 4“. Ubbo hat dann einen alten Kutter dazugekauft, restauriert und wieder fahrtüchtig gemacht. Das ist sein Kutter, auf dem wir heute sitzen – die „Nordstern GRE 18“! Urlaub macht er gerne Zuhause und genießt die freie Zeit mit seiner Familie!

Seit wie vielen Jahren bist du Fischer und wie lange dauert die Ausbildung?

Man macht drei Jahre lang eine Ausbildung als Fischwirt und muss dann ein Jahr als Geselle auf einem Fischkutter mitfahren. Dann habe ich das Patent für die kleine Küstenfischerei absolviert und darf damit Fischkutter und auch kleine Yachten fahren. Wer selbständiger Fischer werden, ausbilden und auch Fördergelder beantragen möchte, macht u.a. seinen Meister. Das Ganze nimmt schon etwas Zeit in Anspruch, aber dann war ich mein eigener Herr.

Wolltest du schon immer Fischer werden?

Also ehrlich gesagt hatte ich mich auch anderweitig umgesehen und musste ein wenig an die Fischerei herangeführt werden. Mein Vater wollte natürlich gerne, dass ich die Fischertradition fortsetze, aber ich war so furchtbar seekrank! Irgendwann legte sich die Seekrankheit und heute bin ich mit Leib und Seele Fischer und froh, dass  meine beiden Jungs ebenfalls in meine Fußstapfen treten!

Welcher Fang war der außergewöhnlichste in deinem Netz?

Der außergewöhnlichste Fang war tatsächlich eine Seemine. Das ist ewig her, aber da haben wir ganz schön geguckt, was uns da ins Netz gegangen ist!

Kann man heute noch von der Fischerei leben oder sollte man sich Alternativen suchen?

Wer fleißig ist und seiner Arbeit regelmäßig nachkommt, kann gut von der Fischerei leben. Trotzdem sollte man immer offen für Neues sein. Ich biete nun Kutterfahrten für Gäste auf meinem Kutter an. Dies wird sehr gut angenommen und ich freue mich, wenn die Gäste zufrieden und glücklich vom Kutter gehen. Max 12 Gäste dürfen mitfahren, solange mein Kutter „seegehend“ ist – heißt auch für den Fischfang in See fährt.  Wenn ich im nächsten Jahr in Rente gehe und mit dem Kutter nicht mehr auf Fisch/Krabbenfang gehe, kann ich auch 22 Personen mitnehmen. Platztechnisch passt das, nun muss nur noch Corona „mitspielen“.

© Touristik GmbH Krummhörn-Greetsiel

Wie sieht das Zusammenleben/Familienleben mit einem Fischer aus?

Früher fuhren wir zum Krabbenfang oft nach Sylt, waren meist 10 Tage nicht Zuhause und haben dann 4 Tage „Wochenende“ angehängt. Heute können wir von Greetsiel auf Krabbenfang rausfahren, weil sich die Krabbenbestände weiter hierher verlagert haben. So sind wir heute innerhalb von 2-3 Tagen wieder im Hafen! Als Fischersfrau ist man viel auf sich selbst gestellt und muss viel selbst entscheiden. Aber in vielen anderen Berufen ist dies ähnlich und meine Frau hat und hatte Zuhause immer alles gut im Griff.

Was machst du in deiner Freizeit? Hat ein Fischer noch Zeit für ein Hobbie?

Ich habe vor einiger Zeit meinen Kutschschein gemacht, habe ein paar Pferde und züchte auch ein wenig damit – meine Tochter reitet und übernimmt die Stallarbeiten, wenn ich unterwegs bin! So ergänzen wir uns! Außerdem spielen meine Frau und ich regelmäßig Tennis in Greetsiel. Für noch mehr Hobbys reicht die Zeit allerdings nicht!

Wann geht ein Fischer in Rente und bleibst du dann in Greetsiel?

Fischer gehen mit 56 in Rente – wir haben ja meist auch schon früh angefangen, ich persönlich schon mit 16 Jahren. Auch mein Rentendasein werden ich in Greetsiel verbringen und wenn möglich, die Gästekutterfahrten weiter anbieten. Das macht mir Spaß und ich bleibe fit! Im nächsten Jahr ist es schon soweit!

Frage zum Abschluss: Was ist dein Lieblingsessen?

Natürlich alles rund um den Fisch – bei einem leckeren Stück Fleisch oder einer deftigen Suppe sage ich  auch nicht nein! Hauptsache, es gibt ein großes Eis zum Nachtisch!

  1. Wolfgang Lörks says:

    Echt Klasse,
    Ein schmuckes kleines Dorf, Zwillingsmühlen, Grachtenfahrt, usw.
    Lecker Essen, bis zur Nordsee ist es was weit. Die sieht man erst wenn man durch die Leyschleuse rausfährt. Man kann ja ins Schwimmbad gehen mit allem PiPaPo was für die (un)gesunde Ernährung tun, man gönnt sich ja sonst nichts. Das leckere Brot vom Bäcker Poppinga mitnehmen, Fisch und Krabben satt essen in den verschiedenen Restaurant essen. Man bekommt den Tag schon rum bloß nicht 2x Moin sagen, dann snackt man zu viel. Und Tee, da gibt es eine gemütliche Teestube. Einfach alles nur lecker. Muß an der Luft liegen deshalb kommen auch so viele aus dem Rheinland nach Ostfriesfriesland.

    Möchte hiermit auch Grüße an unsere ehemaligen Nachbar Ben Ammar (Kattrepel) ausrichten in der Ferienwohnung wir früher öfter waren.

    Mußte innerlich schmunzeln als ich erfuhr schon sehr jung (mit 16 Jahren) angefangen hat zu arbeiten und mit 56 Jahren als Fischer in Rente gehen konnte und jetzt aus Spaß nur noch Kutterfahrten für Touris durchführt.

    Unsereiner kam mit 14 Jahren in eine Lehre die 3 Jahre dauerte. Man hat sich weitergebildet, es aber nicht zu erheblichem Wohlstand gebracht und durfte dann, dem Gesetzgeber sei Dank mit 67 Jahren plus 1,5 Monate in Rente.

    Wir haben uns jetzt mehr Richtung Horumersiel orientiert. Waren auch des öfteren an der Ostsee aber die Anreise dauert länger. Holland liegt zwar näher, ich weis nicht Ostfriesland, gefällt mir besser.

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