Tante-Emma-Laden Neuenkruge

Wo der Lebensmitteleinkauf zum Alltagserlebnis wird

In einer Zeit, in der Supermärkte immer größer werden und die Auswahl an Lebensmittel stetig wächst, ist ein Besuch des Tante-Emma-Ladens in Wiefelstede-Neuenkruge eine Reise in vergangene Zeiten. Wer die Ladentür öffnet und den kleinen Verkaufsraum betritt, findet sich in einer früheren Welt wieder. Hier wird ein Teil der Vergangenheit erhalten und in das mittlerweile moderne Dorfleben integriert. Ein schönes Beispiel, dass das Prinzip des Tante-Emma-Ladens auch heute noch funktioniert und vielleicht gerade diejenigen anspricht, für die das Einkaufen auch verbunden ist mit der Wertschätzung für die Dinge, die man heute als selbstverständlich ansieht.

Authentische Erinnerungsstücke

Dabei wurde viel Wert auf Authentizität gelegt, was sich insbesondere in der Ladenausstattung widerspiegelt. Das Regal, das die Produkte präsentiert, die Waage und auch der Verkaufstresen stammen aus den Anfängen des Ladens zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Dabei sind diese alten, aber einwandfrei erhaltenen Gegenstände ein spannender Kontrast zu den vielen bunt gestalteten Verpackungen der Lebensmittel, die hier heute angeboten werden. Alte Reklameschilder zieren die Wände und erinnern an die Zeiten, in denen wir nicht ununterbrochen mit Werbung beschallt wurden.

Familientradition und Herzensprojekt

Schon im Jahr 1910 wurde der Laden vom damaligen Besitzer, Friedrich Müller, im kleinen Schuppen im Garten des Wohnhauses eröffnet und versorgte die Dorfbewohner mit allen wichtigen Lebensmitteln, die zu dieser Zeit erhältlich waren. Als Familie Müller 1920 nach Oldenburg zog, übernahmen Friedrich und Johanne Oltmer die Immobilie und führten auch den Laden mit seinem Angebot an Kolonialwaren weiter. Als Friedrich Oltmer 1944 verstarb, führte seine Frau Johanne mit ihrer Tochter Frieda Thies, geb. Oltmer, das Geschäft weiter. Frieda hatte gleichzeitig die Poststelle ihres Vaters übernommen und war ab dann für die Zustellung in drei Bauerschaften zuständig – zu damaliger Zeit selbstverständlich mit dem Fahrrad. Es folgte eine schwierige Zeit nach dem Krieg, die von Lebensmittelknappheit geprägt war. Es wurden Lebensmittelkarten eingeführt und Ware nur noch auf Zuteilung herausgegeben. Als Eiersammelstelle erfolgte hier auch die Abgabe der Eier der umliegenden Bauernhöfe. Die Bauern erhielten im Gegenzug sogenanntes „Eiergeld“ und konnten sich davon weitere Ware im Laden kaufen. Als Eiersammelstelle erfolgte hier auch die Abgabe der Eier der umliegenden Bauernhöfe. Die Bauern erhielten im Gegenzug sogenanntes „Eiergeld“ und konnten sich davon weitere Ware im Laden kaufen. Als 1989 Frieda verstarb, wurde das Geschäft von Wilhelm Ecker und seiner Frau Ursula weitergeführt. Sie trifft man heute noch im Laden an. Mit ihrer Offenheit, Herzlichkeit und den interessanten Geschichten rund um die Entwicklung des Dorflebens trägt sie dazu bei, dass ein Besuch des Ladens zu einem erinnerungsreichen Erlebnis wird und der Laden bis weit über die Region hinaus bekannt ist.

Von allem etwas und alles was man braucht

Die Auswahl ist begrenzt, aber vielseitig. Hier findet sich alles wieder, was für den täglichen Gebrauch in der Einkaufstasche landet. Nur eben kein Schnickschnack oder ein Überangebot an 15 verschiedenen Marken Butter oder die 10. Packung exotischer Tees. Die Backwaren, die Frau Ecker in ihrem Laden verkauft, werden frisch von der traditionellen Dorfbäckerei Bohne geliefert und kommen somit direkt aus der Region. Wer noch eine Geschenkidee sucht, findet sie hier in einem individuellen Präsentkorb.

Was früher schon war, ist heute wieder da

Dass das Einkaufen zu Tante-Emma-Zeiten auch heute noch beliebt ist, zeigt nicht nur der große Zulauf bei Frau Ecker. Ein ruhigeres und damit entspannteres Einkaufserlebnis erlebt man heute in den vielen Unverpacktläden, die vor allem in Städten verbreitet sind und dort das Konzept des nachhaltigen Einkaufens verfolgen. Was früher ganz normal war, wird heute bewusst wieder integriert. Im Tante-Emma-Laden bietet Frau Ecker seit Jahrzehnten eine Auswahl an unverpackten Lebensmitteln an. Dazu gehören Erbsen, Nudeln und Reis, aber auch der beliebte Vanillepudding zum Anrühren. Dieser, so sagt Frau Ecker, schmecke unverpackt und damit aus der Großpackung besser als aus den heutigen kleinen Tüten, die meist sogar aus Plastik bestehen. Nur die abfüllbare Margarine oder das große Glas mit den Gewürzgurken, von denen je nach Bedarf eine Menge abgezählt wurde, findet man heute nicht mehr.

Stadtnahe Dorfidylle

In dem kleinen Dorf Neuenkruge, in dem es in den letzten Jahrzehnten viele Veränderungen gab, genießt man noch heute das ruhige Dorfleben. Neue Baugebiete und die Nähe zur Stadt Oldenburg machen den Ort vor allem für Zugezogene interessant. Im Sommer ist das Freibad ein beliebtes Ausflugsziel. Wer als Radfahrer eine Tour durch das Ammerland macht, sollte unbedingt einen Halt in dem kleinen Laden einplanen und sich auf diese spannende Zeitreise begeben. Wer mag, genießt im angrenzenden Garten eine Tasse Tee oder Kaffee und ein Stück selbstgebackenen Kuchen und lauscht Frau Eckers Erzählungen rund um das Dorf und seinen Tante-Emma-Laden.

Woher kommt eigentlich der Name „Tante-Emma-Laden“? Der Begriff „Tante Emma“ stammt aus der Nachkriegszeit. Die Lebensmittelläden waren damals meist so klein, dass nur eine Person im Verkaufsraum arbeiten konnte. Da es sich meist um eine ältere Person handelte und der Vorname „Emma“ zu dieser Zeit sehr beliebt war, bürgerte sich der Begriff „Tante Emma“ ein.

Alle Infos finden Sie auch hier.

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