Radeln nach Zahlen: Knotenpunktsystem im Ammerland

Wenn man als Radfahrer unterwegs ist, orientiert man sich anhand von Karten, Schildern oder auch Navigationssytemen. Das kennt man ja. Im Ammerland geht das jetzt auch mit dem Knotenpunktsystem. Doch wie funktioniert das eigentlich? Die Meer & Flair Redaktion der Bad Zwischenahn Touristik hat sich dazu mit dem ADFC-Routenpate Friedhard von Seggern unterhalten.

Sie sind seit neun Jahren Routenpate im Ammerland. Was macht eigentlich ein Routenpate?
Friedhard von Seggern: Als ADFC-Routenpate bin ich seit 2011 unterwegs auf den Themenrouten der Ammerland-Touristik. Die Arbeit teile ich mir mit 16 weiteren Paten. Die insgesamt 20 Touren werden mindestens einmal im Jahr auf sogenannten Kontrollfahrten auf ordnungsgemäßen Zustand überprüft. Dabei achten wir auf richtige Routenbeschilderung, Befahrbarkeit der Wege, Schutzhüttensauberkeit sowie auf den Zustand von Info-Tafeln und Hinweisschildern. Kleinere Mängel, wie beispielsweise von Sträuchern verdeckte Schilder, werden meist sofort behoben.  Schlimmere Mängel wie zum Beispiel fehlende Routenschilder werden in einem Protokoll erfasst. Dies stellen wir dann den Kollegen der Ammerland-Touristik zur Verfügung, die sich um die Behebung der Mängel kümmern. Zusätzlich haben wir die Erfahrungen unserer Patenschaften zu einem Tour-Informations- und Qualitätssicherungssystem weiterentwickelt. Bei einer neuen Tour sowie in größeren Zeitabständen wird ein Prüfprotokoll über jede Tour erstellt. Die Ergebnisse dieser Prüfungsfahrten werden in Tourberichten auf der Webseite der Ammerland-Touristik für Interessierte bereitgestellt. Neben dem Charakter der Tour werden hier mögliche Problemstellen und Alternativen zur Route beschrieben. Die Aufgabe macht mir immer noch sehr viel Spaß. Ich kann beim Radfahren etwas für meine Gesundheit tun und gehe gleichzeitig einer gemeinnütziger Arbeit nach, die wiederum vielen Einwohnern und Urlaubern zu Gute kommt.

Zur Modernisierung des Ammerländer Radverkehrssystems gehört das neue Knotenpunktsystem. Was genau verbirgt sich dahinter?
Friedhard von Seggern: Knotenpunktsysteme werden seit einigen Jahren oft in der Rad- und Wanderwegweisung für Tourismus und Freizeit eingerichtet. Sie erlauben eine individuelle Auswahl der zu fahrenden Abschnitte. Mittels zugehöriger Karte mit eingetragenen Knotenpunkten lässt sich so eine Wunschroute zusammenstellen. Diese kann auch unterwegs mit einfachen Mitteln, also beispielsweise ohne Navi oder genaue Karte, noch an eigene Bedürfnisse angepasst werden. Jede Verzweigung in unserem Radverkehrsnetz hat einen Knotenpunkt mit zweistelliger Nummer erhalten. Zur Orientierung sind am Standort kleine Karten der Umgebung mit den nächstfolgenden Knotenpunkten angebracht. An ausgewählten Standorten wurden größere Infotafeln der Region mit eingezeichneten Knotenpunkten, Themenrouten oder Beschreibungen einiger Höhepunkte der Region aufgestellt. Unser Radverkehrssystem und somit auch das Knotenpunktsystem schließt nahtlos an die Systeme der Nachbarlandkreise an.

Gibt es weitere Neuerungen im touristischen Radverkehrsnetz?
Friedhard von Seggern: Alle Themenrouten und Routenverbindungen zwischen den Knotenpunkten verlaufen durchweg auf den Routen des neu strukturierten Radverkehrsnetzes. Dabei wurde auf eine möglichst gleichmäßige Maschenstruktur geachtet, einige als schlechter befahrbare Wege wurden gemieden. Bei Themenrouten mit sehr schmalen Abschnitten, wie zum Beispiel manche Kirchwege mit ihrem historischen Ursprung, wurde auf den neuen Tourkarten eine Umfahrungsmöglichkeit ausgewiesen. So haben nicht so sichere Radfahrende oder Radfahrende mit größerer Fahrradbreite an diesen Stellen eine Ausweichmöglichkeit. Die bisherige Themenroutenkennzeichnung mit Nummern wurde ersetzt durch unterschiedliche Symbole in verschiedenen Farben. Sie sind ausnahmslos in die Zielwegweiser des Knotenpunktsystems eingeschoben. Auf den Routen zwischen diesen Netzverzweigungspunkten weisen einzig die Zwischenwegweiser mit dem Fahrradsymbol den Weg. Die Anzahl der Themenrouten wurde von 20 auf 15 reduziert. Einige weniger genutzte Touren sind entfallen. Das ist aber zu verschmerzen, weil durch geschicktes Nutzen des Knotenpunktsystems sich viele beliebige Touren selbst entwickeln lassen.

Wie viele Kilometer sind Sie selbst im letzten Jahr mit dem Rad gefahren?
Friedhard von Seggern:  Da ich verschiedene Fahrräder nutze, Pedelec oder gewöhnliches Fahrrad, schätze ich circa 1.200 Kilometer.

Haben Sie eine Lieblingsroute auf einsamen Wegen?
Friedhard von Seggern:  Was die Themenrouten betrifft, fahren meine Frau und ich besonders gerne die Tour „Vom Aper Tief ans Zwischenahner Meer“. Als Bad Zwischenahner fahren wir die Tour natürlich umgekehrt: Vom Zwischenahner Meer ans Aper Tief. Auf stillen Wegen und überwiegend ruhigen Nebenstraßen geht es durch Wald, Wiesen, Moore vorbei an Baumschulen, Bauernhöfen mit Blick auf das Naturschutzgebiet „Aper Tief“ und schlussendlich auf das Zwischenahner Meer. Dabei genießen wir die große Vielfalt der Parklandschaft Ammerland – wirklich eine sehr schöne Tour in der „Radlandschaft Ammerland“. Mit der jetzigen Modernisierung des Radnetzes ist die Tour noch über Augustfehn hinaus verlängert worden. Aber wegen der länglichen Routenstruktur und mit Hilfe des Knotenpunktsystems gibt es bei Bedarf an mehreren Stellen auch gute Abkürzungen.

Unser Tipp
Auf 738 Kilometern Netzlänge könnt Ihr ab Frühjahr 2021 Eure Wunschziele auf verschiedenen Wegen erreichen, die durch das Verknüpfen von Knotenpunkten individuell geplant werden können. An jedem Knotenpunkt findet Ihre eine Übersichtskarte, auf der die nächsten Knotenpunkte verzeichnet sind. Mit Hilfe dieser Informationen könnt Ihr Eure Touren superleicht zusammenstellen und nach Belieben spontan auch wieder verkürzen, verlängern oder variieren.

Schaut gleich mal vorbei unter:
www.ammerland-touristik.de/rad-aktiv/radregion/knotenpunktsystem

  1. Barbara Ferrari-Recher says:

    Liebes Rad-Team des Ammerlandes
    Wir genießen auch immer wieder die schönen Radwege im Ammerland. Die schon ausbearbeiteten Routen sind so vielfältig und abwechslungsreich – ein Genuss. Und wir entdecken immer wieder Neues!
    Das Knotenpunktsystem kennen wir von Belgien. Damit die Themenstrecken erhalten bleiben muss man halt beides miteinander verbinden.
    Was ich sehr vermisse und liebend gerne in Ihrer wunderschönen Region haben würde, ist ein Fahrradverleih für spezielle Räder für assistiertes Fahren. Konkret also ein nebeneinander Tandem, mit dem ich mit meiner betagten Mutter fahren kann, die sich alleine nicht mehr auf Rad traut. Oder ein Rollstuhl Fahrrad, wo ich mit meinem Papa fahren kann, der durch Parkinson auf Rollator und immer mehr auf Rollstuhl angewiesen ist. Ein Kauf lohnt sich einfach nicht (außerdem ist der Transport dann sehr schwierig). Das Ammerland ist so ideal für Radfahrer, die Natur begeistert (vor allem auch die älteren Semester), da fehlt meiner Meinung nach so ein Angebot. Ich dachte es wäre einfacher Sonderräder zu mieten – vor allem in Hinblick auf die große Rehaklinik in Bad Zwischenahn – aber im Endeffekt hat es sich als sehr schwierig herausgestellt bzw unmöglich.
    Wenn Sie also auch über dieses Thema nachdenken könnten wäre ich Ihnen unendlich dankbar. Meine Eltern sind Zeit ihres Lebens Radgefahren – im hessischen Bergland allerdings mühsamer 😉 . Ich würde ihnen gerne wie.er ein bisschen dieses Genusses mitgeben in der Zeit, die ihnen noch bleibt.
    Mit vielen Dank im voraus
    herzliche Grüße aus Luxembourg
    Barbara Ferrari-Recher
    PS: Natürlich müssten dann die Wege auch so ausgewiesen sein, dass man weiß, wo man mit Überbreite fahren kann – gilt ja auch ein bisschen für Familien mit Anhänger. (Ist uns aufgefallen, als wir an der Hunte mal unterwegs waren und eine Familie durch das erste Gatter durchkam, aber dann von der Breite nicht mehr durch das Zweite.)

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