Sabrina Schuhmacher – Traditionshandwerk Blaudruck

Der Blaudruck ist ein jahrhundertealtes Färbeverfahren, bei dem mit einer Schutzmasse bedruckte Stoffe in Indigo gefärbt werden, sodass ein weißes Muster auf blauem Grund zurückbleibt.
Sabrina Schuhmacher hat Anfang 2021, nach Ende ihres Modedesignstudiums, die Blaudruckerei Jever übernommen. Die 24-Jährige erzählt uns von ihren ersten Monaten in Jever und gibt einen Einblick in das Traditionshandwerk Blaudruck.

Wie bist du auf das Handwerk des Blaudrucks aufmerksam geworden und wann war der erste Kontakt mit der Blaudruckerei Jever?

Auf das Handwerk des Blaudrucks bin ich Ende 2019 im Rahmen meiner Abschlussarbeit für mein Modedesign-Studium aufmerksam geworden. Ich habe eine kleine Kollektion zum Thema „Norddeutsche Heimat“ entworfen und gefertigt und mich dafür nach traditionellen Handwerken in der Region umgesehen. Ich war direkt fasziniert von dem einzigartigen Blaudruck und bin so mit der Blaudruckerei in Jever in Kontakt getreten, um mir Stoffe von Herr Stark bedrucken und färben zu lassen. Für den Videodreh meines Image-Films war ich dann das erste Mal persönlich vor Ort und konnte mir den Ablauf der Fertigung zeigen und erklären lassen.

Foto: Sabrina Schuhmacher

Was waren deine Beweggründe, die Blaudruckerei zu übernehmen? Hast du lange überlegt oder fiel die Entscheidung doch relativ schnell?

Schon beim Designen meiner Kollektion war ich beeindruckt von den vielen außergewöhnlichen und historischen Mustern und mir kamen direkt sehr viele Ideen, was man noch alles Tolles damit gestalten könnte. Natürlich konnte ich das alles nicht in meiner Kollektion umsetzen. Als ich in der Blaudruckerei zu Besuch war, habe ich schon über neue Möglichkeiten mit Herrn Stark gesprochen und er erzählte mir auch, dass er einen Nachfolger suchen würde. In den nächsten Monaten ging mir der Blaudruck dann nicht mehr aus dem Kopf und so fing ich an mit dem Gedanken zu spielen, tatsächlich die Blaudruckerei zu übernehmen. Die Entscheidung meinerseits fiel dann relativ schnell. Ich suchte nach Möglichkeiten, wie ich dies umsetzen könnte und blieb mit Herrn Stark in Kontakt. Nach einem knappen halben Jahr war dann bei uns beiden klar: Ich werde die neue Blaudruckerin von Jever.

Welche Herausforderungen waren zu Beginn zu meistern?

Da das Handwerk des Blaudrucks schon sehr alt ist und auch nur noch an wenigen Orten vertreten ist, ist es kein Lehrberuf mehr. Ich habe alles Nötige beim Arbeiten in der Blaudruckerei in Jever gelernt und praktisch bei null angefangen. Herr Stark hat mir seine Kenntnisse und Rezepturen weitergegeben, was bei so einem aufwendigen Prozess nicht gerade wenig ist. Außerdem braucht man besonders für das Drucken mit den alten Modeln viel Feingefühl und Gespür. Jeder Druckstock ist anders und hat seine Besonderheiten, die man erstmal kennenlernen muss. Neben dem handwerklichen Aspekt kamen dann natürlich noch weitere Bereiche wie Buchhaltung und Verkauf hinzu, die mit einer Geschäftsführung einhergehen, die mir so manche Nerven geraubt haben. Und auch ein Start in Corona-Zeiten ist natürlich nicht ganz optimal.

Fotos: Achim Meurer

Was ist an dem Handwerk des Blaudrucks so besonders? Was gefällt dir am meisten und was macht besonders viel Spaß?

Besonderheiten des Blaudrucks sind vor allem seine spannende, lange Geschichte, die Vielfalt der historischen Muster und die Fertigung per Hand. Beim Blaudruck entsteht in mehreren Arbeitsschritten ein weißes Muster auf blauem Grund. Vor ca. 400 Jahren gelangte diese Methode aus Indien nach Europa. Was ich besonders spannend finde, sind die einzigartigen Muster aus mehreren Epochen. Wir haben um die 600 Modeln, die wir natürlich nicht alle täglich im Gebrauch haben. Man entdeckt immer neue Muster und Kombinationsmöglichkeiten. Außerdem macht es mir sehr viel Spaß handwerklich zu arbeiten und mitzuerleben, wie aus den schlichten weißen Stoffen Unikate in Blaudruck entstehen.

Wie lautet dein Fazit nach den ersten Wochen in der Blaudruckerei?

Die ersten Wochen in der Blaudruckerei waren natürlich ein ungewöhnlicher Start. Die Pandemie hat es uns nicht gerade einfach gemacht. Mittlerweile können wir allerdings wieder langsam zum Normalbetrieb zurückkehren und ich habe mich auch gut eingearbeitet. Die Arbeit macht mir sehr viel Spaß und es ist immer wieder schön zu sehen, wie begeistert auch die Kunden und Besucher von dem Blaudruck sind.

Foto: Sabrina Schuhmacher

Du hast ja Modedesign studiert. War das schon immer dein Traumberuf? Was waren deine ursprünglichen Pläne nach dem Studium?

Ich habe 4 Jahre lang an der FAHMODA in Hannover Modedesign und Maßschneiderei studiert. Ich bin auf dieses Modell der Doppel-Ausbildung mehr oder weniger durch Zufall gestoßen. Ich hatte zuvor zwar noch nie so richtig an einer Nähmaschine gearbeitet, aber wusste direkt, dass der Beruf zu mir passen würde. Schon während meiner Ausbildung habe ich dann gemerkt, dass mir die praktische Arbeit besonders viel Freude bereitet. Einen genauen Plan, welchen Beruf ich nach dem Studium ausüben wollte, hatte ich nicht. Ich wusste nur, dass ich nicht den ganzen Tag bei einer großen Firma vor dem PC sitzen wollte. Die Selbstständigkeit war schon länger ein Traum von mir, allerdings hätte ich nicht damit gerechnet, dass sich diese Möglichkeit schon so schnell ergeben würde. Aber bei der Blaudruckerei hatte ich schnell das gleiche Gefühl wie bei meiner Ausbildung: Hier bin ich richtig!

Fotos: Achim Meurer

Welche Möglichkeiten siehst du, die Themen Modedesign und Blaudruck miteinander zu verbinden und wurde bereits etwas umgesetzt?

Da gibt es tatsächlich sehr viele Möglichkeiten. Der Blaudruck ist so besonders und vielfältig. Ich sehe großes Potential darin und möchte den Blaudruck von dem Gedanken lösen, er sei altmodisch. Wir haben an die 600 verschiedene historische Muster, die individuell miteinander kombiniert werden können und sich hervorragend mit zeitgemäßen Schnitten und Silhouetten verbinden lassen. Gerade diese Kombination aus traditionell und modern finde ich spannend und originell. Der Blaudruck wird von den meisten Menschen mit Tischwäsche und Gardinen verbunden. Im Prinzip spricht da nichts gegen, aber um diesem Handwerk eine Zukunft zu geben, ist es meiner Meinung nach wichtig auch neue Weg zu gehen und zugleich den Charme des Blaudrucks zu bewahren. Mode wäre eine Möglichkeit dafür.

Da das Designen und Fertigen neuer Kleidungsstücke natürlich einen Gewissen Aufwand mit sich bringt, sind in der Blaudruckerei momentan hautsächlich noch Modelle ausgestellt, die auch in den letzten Jahren gut bei den Kunden angekommen sind. Was aber gerne schon umgesetzt wird, sind Anfragen von Kundinnen und Kunden. Wir fertigen besondere Wünsche und Größen auf Maß. Außerdem haben wir bereits Lieblings-Kleidungsstücke der Kunden als Inspiration genommen und diese individuell in Blaudruck gefertigt. Das kam sehr gut an.

Was sind deine absoluten Lieblingsstücke, die du in der Blaudruckerei herstellst?

Ein absolutes Lieblingsstück habe ich gar nicht, da alle Teile einzigartig sind. Es kommt mir viel mehr auf das Muster an. Besonders gut kommen die üppigen barocken Muster auf großen Flächen rüber, wie man es beispielweise bei Tischdecken, Wandbehängen und langen Schals sieht. Feinere Streublumen wirken auch genauso gut auf kleineren Flächen wie bei Lavendelsäckchen und Untersetzern. Am interessantesten finde ich persönlich die ganz alten Muster mit exotischen Motiven, bei denen man den asiatischen Ursprung des Blaudrucks noch deutlich erkennen kann

Foto: Sabrina Schuhmacher

Gibt es Neuerungen die du eingeführt hast/ einführen wirst?

Das Sortiment, welches über die Jahre von dem Vorgänger Herrn Stark aufgebaut wurde, möchte ich gerne beibehalten. Der Plan ist es, die Produkte nach und nach zu erweitern. Einige Kleinigkeiten sind schon in der Manufaktur zum Verkauf, wie etwa Bestecktaschen und Nadelkissen, anderes ist noch in Planung.

Wie sehen deine Pläne und Ziele für die Zukunft aus?

Mein Plan für die Zukunft ist es, den Blaudruck ein Stück weiter in die Moderne zu holen. Ich möchte zeigen, dass traditionell nicht gleich altmodisch bedeutet und würde mir wünschen, dass der Blaudruck auch bei jüngeren Leuten bekannter und geschätzt wird. Neben neuen Schnitten und Produkten würde ich auch gerne mit anderen Stoffen experimentieren, um den Blaudruck noch nachhaltiger zu gestalten. Ganz wichtig ist mir dabei aber, dass der Charakter und somit auch die Besonderheit dieses Handwerks berücksichtigt wird. Der Blaudruck ist ein Stück Geschichte und das soll auf jeden Fall erhalten bleiben.

  1. Brigitte Schäfer says:

    Toll. Altes Handwerk erhalten und alles dazu noch bei einem Meister lernen. Ich habe mich immer dafür interessiert. Leider gibt es das bei uns im Pfälzerwald nicht.. ich freue mich dass die junge Dame mit der tollen Ausbildung diese Chance nutzt. Viel Erfolg.

  2. Rosemarie Schwarz says:

    Ich durfte bei meinem ersten Urlaub vor 6 Jahren diese kleine Blaudruckerei kennenlernen. Herr Stark hat sich viel Zeit genommen und uns das Blau drucken erklärt. Wir waren begeistert – noch heute habe ich das Tuch, dem dann die letzten Jahre noch weitere Stücke folgten.
    Dass Herr Stark eine nette Nachfolgerin gefunden hat, freut mich und wünsche ihr ganz viel Glück und Erfolg auf ihrem Blaudruckweg. Mein Weg führt mich auch beim nächsten Ostfriesland Urlaub zum Blaudruck Museum und bestimmt finde ich wieder ein schönes Stück.
    Mit freundlichen Grüßen Rosemarie Schwarz

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