Familienbande: Das Haus Wiemken – mit Maria von Jever

In der Serie "Familienbande" blickt Teetied auf die Geschichte von Ostfriesland, mit ihren Häuptlingsfamilien, Burgen und Schlössern.

Im äußersten Nordosten waren Sie zu Hause: Die Wiemkens herrschten über Rüstringen, Jeverland und das Wangerland

Ostfriesische Häuptlingsfamilien: Das Haus Wiemken – mit Maria von Jever

Maria von Jever

Maria, das Fräulein von Jever war ein Kind des Häuptlings Edo Wiemken und der Tochter des Grafen von Oldenburg. Sie ging als starke Frau und prägende Gestalt des Jeverlandes in die Geschichte ein. Auch wenn sie als junges Mädchen zunächst vor schwierigen Hürden stand.
Ihre Kindheit und Jugend war geprägt von Verlust. Ein Jahr nach ihrer Geburt 1500 verstarb ihre Mutter. Zehn Jahre darauf wurde sie durch den Tod ihres Vaters zum Waisenkind. Das Schicksal aber hatte noch immer nicht genug und nahm ihr sechs Jahre darauf 1517 auch den älteren Bruder. Von da an waren Maria und ihre zwei Schwestern, Anna und Dorothea, auf sich allein gestellt. Eine scheinbare Schwäche, welche sich die in Ostfriesland herrschenden Cirksena zu Nutze machen wollten. Noch im selben Jahr wurden Hochzeitsversprechen der Töchter Jevers mit den Cirksena Söhnen vereinbart, um für letztere die Machtansprüche auf das Jeverland zu sichern.
Ein Jahrzehnt später sollte alles anders kommen. Die Cirksena unter Marias Verlobtem Enno und dessen Bruder, überfielen Marias Zuhause, die Burg Jever. Sie setzten dort den Drosten Boing von Oldersum zur Verwaltung ein und demütigten die Erbtöchter von Jever. Enno II., inzwischen Graf von Ostfriesland, wägte sich in dem Glauben, er könne jetzt das Jeverland auch einnehmen, ohne Maria zu ehelichen. Er heiratete kurzerhand eine politisch lukrativer erscheinende Braut, die Grafentochter von Oldenburg.

Das Fräulein Maria von Jever (*1500-1575)
Maria von Jever 1572.jpg
Bildquelle: Wikipedia / Wikimedia Commons
Doch er hatte die Rechnung ohne Maria gemacht. Sie wollte ihr väterliches Erbe Jever nicht so einfach aufgeben und sich dabei so schwer demütigen lassen. Also emanzipierte sie sich zunehmend und schaffte es sogar den Drost Boing von Oldersum auf ihre Seite zu bringen. Die Cirksena sollten von nun an, bis an ihr Lebensende, ihre ärgsten Feinde sein. Indem Maria ihr Jever dem Kaiser Karl V. als Lehen aufträgt, versucht sie Schutz gegen die ostfriesischen Gegner zu erhalten. Dennoch kommt es 1532 bei einem Angriff der ostfriesischen Cirksena Grafen zu einem verheerenden Stadtbrand. Die Cirksena schafften es aber trotzdem nicht, Jever jemals wieder einzunehmen.
Das private Glück Marias sollte weiterhin einen schweren Weg gehen. 1536 verstarb ihre ältere Schwester Anna. Durch diese Zeit brachte sie sicherlich auch ihre Beziehung zu Boing von Oldersum. Mit diesem verband sie mittlerweile mehr als nur Zusammenarbeit. Die Liebe der beiden sollte schließlich besiegelt werden, als Boing 1540 zu einem ehrbaren, ritterlichen Mann erhoben wurde. Einer Hochzeit stand nun nichts mehr im Wege. Doch das Schicksal wollte es nicht so. Nur ein Jahr später verstarb Boing während der Belagerung Wittmunds.
Maria schienen diese Rückschläge nicht zu schwächen, sondern ihren Willen sogar noch zu stählern. Dort wo sie ihr Leben und ihre Geschicke steuern konnte, behielt sie die Zügel in der Hand. Auch über ihren Tod im Jahre 1575 hinaus. In ihrem Testament überschrieb sie die Macht über Jever an die Grafschaft von Oldenburg. Der Legende nach vertuschte man Marias Ableben noch einige Tage, indem jeden Abend Essen vor ihrer Tür abgelegt wurde. Bedienstete leerten dieses anschließend heimlich. So bemerkte niemand und vor allem nicht die feindlichen Ostfriesen, dass Maria gestorben war. Das Schauspiel wurde aufrecht gehalten bis ein Gesandter aus Oldenburg Jever erreichte, um die im Testament zugesicherten Ansprüche geltend zu machen.


Maria von Jever war eine starke Frau in einer von Männern dominierten Welt. Ihr verdanken Stadt und Land Jever so manche Denkmäler, Kultur- und Kunstwerke sowie Sagen und Legenden. Viel mehr noch hat das Fräulein von Jever aber auch in politischer, wirtschaftlicher und kultureller Entwicklung prägend mitgewirkt. Den Angriffen der Ostfriesen setzte sie Schutzmaßnahmen und Befestigungsbau entgegen. Auch der natürlichen Bedrohung von Sturmfluten begegnete sie durch verstärkte Eindeichungsmaßnahmen. So sicherte sie Küstengebiete und neues Land für ihre Bevölkerung. Ihre Burg gestaltete Maria in ein repräsentatives, prächtiges Renaissanceschloss aus. Jever erhielt Stadtrechte und wurde residenzgleicher Mittelpunkt ihres Herrschaftsgebietes. Doch nicht nur künstlerische und prunkvolle Ausschweifungen verschönerten die Stadt. Maria privilegierte die Hofapotheke, errichtete ein Armenhaus und gründete eine Lateinschule (heute Mariengymnasium). Sie handelte bereits damals sehr weitsichtig. Denn sie erkannte die Wichtigkeit einer gebildeten Bevölkerung und begann die Schulpflicht einzuführen. An besonders begabte, fleißige Schüler vergab das Fräulein von Jever Studienstipendien.

Stadt Jever in Frieslandwurde unter Marias souveräner Führung zu einem unabhängigen, blühenden Flecken Land. Ihre Untertanen verehrten und respektierten sie dafür in großem Maße. Ihre Regierungszeit wird in den Geschichtsbüchern lobend erwähnt und auch heute noch ist sie eine wichtige kulturelle Identifikationsfigur Jevers.
Wenn du ihr einmal persönlich begegnen willst, lohnt sich ein Besuch im Schlossmuseum Jever. Dort erzählt dir das Fräulein von Jever bei einer interessanten Kostümführung spannende Anekdoten.

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Serie „Familienbande“:

Folge 1: Die Cirksena

Folge 2: Die Tom Brok

Folge 3: Die Wiemken – mit Maria von Jever

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