Ostfriesische Rose

Wer schon einmal eine echte ostfriesische Teezeremonie erleben durfte, kennt das charakteristische Teeservice mit der „Ostfriesischen Rose“. Das Reisemagazin Teetied hat sich im Interview mit Celia Hübl, Leiterin des Bünting Teemuseums in Leer, auf die Spuren des in Ostfriesland weit verbreiteten Porzellan-Dekors begeben.

Die Ursprünge des „Weißen Goldes“

Während in China bereits seit dem 7. Jahrhundert Porzellan hergestellt wurde, begann die Produktion in Deutschland erst Anfang des 18. Jahrhunderts. Dem Alchimisten Johann Friedrich Böttger gelang in den Jahren 1710 bis 1717 die „Neuerfindung“ des „Weißen Goldes“ in der Versuchswerkstatt August des Starken in Dresden. Das europäische Porzellan setzt sich aus gemahlenem Quarz, Feldspat und Kaolin zusammen, die bei Temperaturen von 1400 bis 1500 °C eine feste Verbindung miteinander eingehen und das Material hart und wasserundurchlässig machen.
„Neben den fürstlichen Manufakturen ließen sich viele private Unternehmen in den folgenden Jahren in Thüringen nieder, da dort die Rohstoffvorkommen an Quarz und Kaolin gute Voraussetzungen boten“, berichtet Celia Hübl. Eine dieser Porzellanmanufakturen wurde 1763 von Johann Wolfgang Hammann in Wallendorf-Lichte gegründet.

Teetasse um 1800 – Die Untertasse ist eine europäische Erfindung. Die tiefe Schale diente nicht nur als Untersatz für die Tasse, sondern ebenfalls als Trinkgefäß.

Dekortyp „Deutsche Blume“

Neben den Dekoren, die auf ostasiatischen Vorbildern basierten, setzte sich der Dekortyp der „deutschen Blume“ sehr schnell in vielen Manufakturen durch. Rosen, Tulpen, Margeriten und Vergissmeinnicht wurden meist zu naturalistischen Blumenbuketts arrangiert und mit breiter Farbpalette auf die Glasur der bereits gebrannten Geschirrteile aufgebracht. Die Aufglasurmalerei wird anschließend ein drittes Mal bei niedrigeren Temperaturen (ca. 800 °C) eingebrannt. Das „bunte Theeguth“ findet in dem ältesten erhaltenen Verkaufsbuch der Wallendorfer Porzellanmanufaktur bereits 1770 Erwähnung. Dazu zählt auch das Porzellan mit der “Ostfriesischen Rose“, das heute u.a. wieder unter dem Dekornamen “Rot Dresmer” besonders für den Ostfriesischen Raum produziert wird. Das beliebte Dekor zeigt eine große Purpur-Rose, die von kleinen eisenroten Blüten und grünen Blättern umgeben ist. Celia Hübl zeigt vier Teetassen aus den letzten Jahrhunderten, die in einer Vitrine des Teemuseums präsentiert werden. Die Teetassen im Bünting Teemuseum zeigen, dass die Darstellung der Rose im Laufe der Jahrhunderte von einer offener zu einer geschlossenen Form variierte. Oftmals ist die Form einer typischen Rose nicht klar erkennbar. Auch die Farben reichen je nach Porzellangeneration und –maler von violett bis rosa. Die Oberfläche ist bei dem Teegeschirr „Ostfriesische Rose“ oftmals gerippt. Dieses Stabrelief gründet sich auf dem Meißener Modell „gebrochener Stab“ und ist meist im Inneren der Teetassen zu finden.

Die drei Tassen auf der linken Seite wurden um 1800 hergestellt. Rechts ist eine aktuelle Tasse der Porzellanmanufaktur Calluna zu sehen.

Die Reise der „Ostfriesischen Rose“ nach Ostfriesland

Das Porzellan mit der Rose gelang auch nach Ostfriesland, wo es sich bei wohlhabenden Bauern zunehmender Beliebtheit erfreute und als Symbol für Reichtum stand. So ließ sich auch ein Porzellanmaler aus Thüringen in Aurich nieder, um das Porzellan mit der „Ostfriesischen Rose“ vor Ort zu produzieren. Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Porzellan nicht mehr aus den Porzellanmanufakturen in Thüringen bezogen werden, sodass auch in Westdeutschland einige Manufakturen das Dekor „Ostfriesische Rose“ herstellten. Heute werden die Tassen nur noch in der Wallendorfer Porzellanmanufaktur handbemalt. Andere Produzenten wie Heiko Blume aus Friedeburg oder die Manufaktur Calluna in der Lüneburger Heide kleben das Dekor auf und brennen es ein. „In Ostfriesland ist die „Ostfriesische Rose“ nach wie vor überall präsent. Auch hier im Teemuseum nutzen wir das Service für unsere Teezeremonien“, erzählt Celia Hübl.

 

 

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