Von der Kuh zur Kugel: Ein Ausflug auf den Bauernhof der Familie Campen mit Hofladen und Eisproduktion

Adrian Campen – Addi mit tierischen Bewohnern seines Hofes

Tierwohl, Umweltbewusstsein, Wertschätzung, Fachkräftemangel, Digitalisierung, diese und weitere Themen beschäftigen heutzutage viele Landwirte. Die Herausfordrungen werden nicht weniger und viele landwirtschaftliche Betriebe suchen nach einem zweiten Standbein. Das Angebot von Urlaub auf dem Bauernhof oder auch die Direktvermarktung in Form von Hofcafés, Hofläden und Milchtankstellen sind nur einige Beispiele dafür. Das Reisemagazin Teetied war zu Gast bei einem jungen Landwirt, der seit einigen Jahren seine ganz eigene Vision umsetzt.

Am Rande des Örtchens Simonswolde in der Gemeinde Ihlow inmitten grüner Weiden liegt der Milchviehbetrieb der Familie Campen. Eine Fahne direkt am Eingang verrät, Leckermäuler sind hier genau richtig! Doch dazu später mehr.

Im November 2021 hat Adrian Campen (genannt Addi) seine „Hofkiste“ eröffnet. Die Idee dazu kam ihm schon einige Jahre zuvor während seiner landwirtschaftlichen Ausbildung. Der Ausbildungsbetrieb hat ebenfalls auf die Direktvermarktung als zusätzliche Einkommensquelle gesetzt. Gestartet wurde damals mit Kartoffeln, Honig und Äpfeln aus der Umgebung sowie mit Eiern aus dem eigenen Hühnermobil. Das mit einem bunten Graffiti versehene Hühnermobil ist ein echter Hingucker und von der Straße gut zu sehen. Von dort starten die Hühner Tag für Tag ihre Erkundungstouren an der frischen Luft – scharren, picken, gackern, Würmer aus dem Boden ziehen – was Hühner eben gerne machen.

Das Hühnermobil mit dem coolen Graffiti

Adrian wollte nicht immer Landwirt werden. Als Teenager begeisterte er sich vor allen Dingen für Technik. Nach einem Schülerpraktikum konnte er sich einen reinen Schreibtisch-Job jedoch nicht mehr vorstellen. Er brauche auch die körperliche Arbeit an der frischen Luft und den Umgang mit den Tieren. Der technische Fortschritt hält natürlich auch in der Landwirtschaft Einzug. Mit seinem Beruf kann Addi heute Technik und Natur miteinander verbinden.  

Das Sortiment von Addi‘s Hofkiste hat sich seit dem Start ganz schön erweitert. Neben Marmelade, Zwiebeln, Kaffee und Chips bietet Addi inzwischen auch Nudeln aus hofeigenen Eiern und Käse aus der eigenen Milchproduktion an. Alles, was er selbst nicht herstellt, stammt von regionalen Produzenten. Dabei hält er fortlaufend Ausschau nach Möglichkeiten, seine eigenen Produkte besser zu verkaufen und zu veredeln. So hatten seine Eltern die Idee, aus der Milch der eigenen Kühe, Eis herzustellen. Aus einer Vision wurde dann Wirklichkeit.

Ein Blick in Addis´s Hofkiste – Nur regionale Produkte kommen hier ins Regal.

Addi’s Eisliebe hat heute seine kleine Produktionsstätte direkt auf dem Hof angrenzend an das Wohnhaus der Familie. Hier produziert Adrians Mutter Anja in der Hauptsaison an fünf Tagen in der Woche verschiedene Eissorten. Neben Schokolade, Vanille-Madagaskar, Haselnuss, Karamell, Nutella u.v.m. könnt ihr auch veganes Eis erwerben – überwiegend in nachhaltigen Verpackungen aus Pappe. Und speziell für die erwachsenen Leckermäuler gibt es Kinnertööneis. Richtig gelesen. Das ist Eis mit Rosinenbranntwein, der bei uns in Ostfriesland ja sonst nur auf den Tisch kommt, wenn ein Kind das Licht der Welt erblickt hat. Ein echter Verkaufsrenner bei Addi´s Kunden.

Die Eisproduktion auf dem Hof der Familie Campen

Rund um die Raststation und die Hofkiste laden gemütliche Sitzgruppen zum Verweilen ein. Überall kann man auch schon bunte Blumen entdecken, die der sogenannte „HKD“ gepflanzt hat. Der „Hofladen-Kontroll-Dienst“, wie Adrian seine Oma Hannelore liebevoll nennt, ist die gute Seele von Addi’s Hofkiste. Mehrmals am Tag kommt sie vorbei um nach dem Rechten zu sehen, die Regale aufzufüllen, ihren Enkel an Bestellungen zu erinnern und mit den Kunden zu schnacken, von denen sie viele persönlich kennt.

Hier auf dem Hof, im Milchviehbetrieb, der Eisproduktion oder der Hofkiste, hat jedes Familienmitglied seine Aufgaben. Mit vereinten Kräften konnte so der Einstieg und Ausbau der Direktvermarktung zu einem echten Erfolg werden.

Bei einem Rundgang über den Hof lernt das Teetied Redaktionsteam auch einige der tierischen Bewohner kennen. Dazu gehören neben der Hofkatze auch Manni und Sid. Die beiden Shetlandponys stehen im Sommer oft in der Nähe der Hofkiste und freuen sich auf die Streicheleinheiten der Kinder. Und natürlich nicht zu vergessen die muhenden Bewohnerinnen des Hofes. Insgesamt sind 120 Kühe, die alle einen Namen haben, hier zu Hause.

Der Jungunternehmer hat noch jede Menge Ideen. Die nächsten Projekte geht er voller Tatendrang an. Zunächst soll die Raststation ausgebaut und das Sortiment im Hofladen erweitert werden. Ihm ist es wichtig, die Landwirtschaft der Öffentlichkeit zu präsentieren und transparent darzustellen wie moderne Landwirtschaft heutzutage funktioniert. Vielleicht bietet er auch irgendwann Hofführungen an, bei denen die Gäste einen Eindruck vom Hof bekommen und ihre Fragen stellen können.

Alle seine Ideen verrät Adrian natürlich nicht. Es bleibt weiterhin spannend, welche Projekte er noch ausbrütet. „Einige Leute halten mich für verrückt“, erzählt der junge Landwirt, während einer gemütlichen Eispause in der Sonne, „doch ich finde, man kann sich auch totrechnen. Manche Dinge muss man einfach machen und ausprobieren.“

Möchtet Ihr auch in den Genuss von Addi’s Eisliebe kommen? Dann legt doch während einer Fahrradtour in der Gegend eine Pause bei Addi ein oder holt euch die leckeren regionalen Produkte zu Euch nach Hause. Addi’s Hofkiste liegt an Ihlower Straße am Rande von Simonswolde. Inzwischen wird das Eis übrigens auch in anderen Hofläden, Cafés und Restaurants angeboten.
https://www.addishofkiste.de/

Weitere Hofläden, Melkhuskes, Raststationen und Hofcafés in Ostfriesland findet ihr hier.

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